© Aurelio Schrey
© Aurelio Schrey

Jobs@opera

Ein kulturelles Bildungsprojekt zur Berufsvielfalt
im Opernhaus
Abend für Abend begeistern die Vorstellungen in der Komischen Oper Berlin die Gäste. Der Vorhang geht auf und die Zuschauer*innen erleben unvergessliche Opernabende. Im Rampenlicht stehen die Sänger*innen – das ist klar. Doch längst nicht nur sie arbeiten an der Oper. Das Musiktheater ist eine eigene kleine Welt mit einer Vielzahl an Berufen, die hinter den Kulissen stattfinden und ohne die keine Aufführung über die Bühne gehen könnte. Maskenbildner*innen knüpfen aufwendige Perücken und modellieren kunstvolle Masken. Lichttechniker*innen finden für jede Szene die passende, stimmungsvolle Beleuchtung. Der Abenddienst empfängt die Gäste und öffnet ihnen die Türen zu einem wunderbaren Opernabend. In der Requisite werden kreative Bühnenelemente gefertigt und die Kostümabteilung schneidert passgenau für jede*n Darsteller*in ein opulentes Kleidungsstück. All diese und viele weitere Berufe sind wichtig für das Funktionieren eines Opernhauses.

Die Komische Oper Berlin möchte Jugendlichen die Vilefalt an Theaterberufen näherbringen und ihnen damit konkrete und neue Perspektiven für ihr späteres Berufsleben eröffnen. In Kooperation mit den Kulturellen Bildungsverbünden des Fachbereichs Kunst und Kultur vom Bezirksamt Berlin Mitte wurde das Projekt Jobs@opera ins Leben gerufen. Es richtet sich an Jugendliche der 9. Und 10. Klasse aus Schulen mit hoher Schulabbrecherquote im Bezirk Berlin Mitte.

Interview zum Projekt

»Oper von allen Seiten erleben«
Ein Interview mit Lehrerin Christl Reissenberger über das Projekt Jobs@opera

Was begeistert Sie besonders am Projekt Jobs@opera?
In die Oper zu gehen ist ein ganz besonderes Erlebnis. Das Zusammenspiel von Musiker*innen, Sänger*innen und Tänzer*innen und nicht zu vergessen all den Mitarbeiter*innen im Hintergrund bietet uns Zuschauer*innen ein einmaliges Erlebnis, ganz unmittelbar und bewegend. Am Projekt Jobs@opera begeistert mich daher besonders, dass Schüler*innen die Möglichkeit bekommen, Oper von allen Seiten zu erleben. Sie sehen den Glanz und Pomp von der einen Seite, aber auch die harte Arbeit und das perfekte Zusammenspiel der Mitarbeiter*innen hinter der Bühne. Das lässt sie Oper als einen möglichen Arbeitsplatz erkennen. Ermöglicht wird dies durch die große Professionalität des Opern-Teams, das die Schüler*innen sehr gut aufnimmt und betreut.

Was bewirkt das Projekt bei den Schüler*innen?
In den zwei Jahren, in denen die Ernst-Schering-Schule nun schon an dem Projekt teilnimmt, habe ich Schüler*innen erlebt, die eine richtige Leidenschaft für die Oper entwickelt haben. Das zeigt sich daran, dass sie mit großer Freude immer wieder in die Oper gehen möchten und dort mit ungewöhnlich hoher Konzentration dem Geschehen auf der Bühne folgen – einer Konzentration, die sie Dingen vorbehalten, die sie wirklich interessieren.
Die Schüler*innen haben die Möglichkeit, eine für sie neue Welt zu entdecken. Auch wenn sie sich vielleicht nicht dafür entscheiden, beruflich in diese Richtung zu gehen, so gibt ihnen der intensive Kontakt mit dem Musiktheater– damit meine ich sowohl die Arbeitsweise hinter der Bühne als auch den Zauber, den ein Vorstellungsbesuch für das Publikum hat - eine Vertrautheit mit der Welt der Oper, die auf ganz vielfältige Art und Weise in ihrem späteren Leben nachwirken kann.

Warum sind Projekte wie Jobs@opera wichtig?
Projekte wie Jobs@opera sind von großer Bedeutung, weil sie Schüler*innen einerseits Abwechslung vom Schulalltag bieten und ihnen andererseits Perspektiven aufzeigen, die ihnen im Klassenzimmer nicht mit dieser Eindrücklichkeit vermittelt werden können. Sie geben nicht zuletzt auch Schüler*innen, die vielleicht weniger akademische Perspektiven haben, die Chance, ihre Fähigkeiten und Talente unter Beweis zu stellen.

Welcher Moment bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Die unendlich stolzen und fröhlichen Gesichter der Schüler*innen, die beim Praxistag in der Gastronomie und beim Abenddienst eingesetzt waren, sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben.
© Jörn Hartmann
© Jörn Hartmann
Das Projekt besteht aus sechs Modulen. Die Schüler*innen lernen im ersten Modul bei einem szenisch-musikalischen Workshop die Kunstform Oper kennen. Im Herbst 2020 beschäftigten sich die Jugendlichen mit einem Musical des Spielplans: Sie schlüpften in die Rollen des Stückes, setzten sich mit den Kernszenen des Werkes auseinander und fühlen sich spielerisch in die Musik ein. Das zweite Modul stellt das Musiktheaterstück aus dem Workshop erneut in den Mittelpunkt. Denn jetzt nehmen die Schüler*innen im großen Saal Platz und sehen sich eine Vorstellung an. Für viele eine aufregende und besondere Erfahrung, da sie oft zum ersten Mal zu Gast in einem Opernhaus sind. Im dritten Projektmodul werfen die Schüler*innen einen Blick hinter die Kulissen und erhalten eine umfassende Backstage-Führung. Dabei machen sie in den unterschiedlichen Abteilungen Halt und bekommenen ausführliche Informationen über verschiedene Theaterberufe und ihre Funktion. Es werden viele Fragen gestellt und alles genau unter die Lupe genommen. Wann hat man schließlich schon die Gelegenheit, Requisiten aus der Nähe zu betrachten oder zu erfahren, wie die Regenmaschine auf der Bühne funktioniert? Im vierten Modul treffen die Jugendlichen die Auszubildenden des Opernhauses und lernen die Ausbildungsberufe mit allen Aufgaben und Inhalten kennen. In einem fünften Modul, dem Workshop zum Thema Kommunikation, lernen die Jugendlichen verschiedene Aspekte der Kommunikation kennen und können das Gelernte direkt praktisch anwenden. Und dann folgt der Höhepunkt von Jobs@opera: der Praxistag ist das sechste und letzte Modul des Projektes. An diesem Tag lernen die Schüler*innen den Arbeitsalltag am Opernhaus kennen, indem sie während einer Vorstellung hinter den Kulissen kommunikativ mitwirken.

Zu den ersten drei Projektmodulen ist die gesamte Schulklasse eingeladen. Für die anderen drei Module können sich die Schüler*innen bewerben. Hierfür erhalten sie im Rahmen eines extra angebotenen Schreibworkshops Unterstützung beim Verfassen von Bewerbungen. Besonders interessierte Jugendliche sind über das Projekt hinaus herzlich eingeladen, sich auf ein Praktikum an der Komischen Oper Berlin zu bewerben oder an dem Jugendclub-Opernscouts teilzunehmen.

Artikel zum Projekt auf der Online-Plattform »Kultur Mitte«:
»Von Schweinemasken und französischen Zöpfen: das Bildungsprojekt jobs@opera an der Komischen Oper Berlin«
Bessere Chancen im Bildungsverbund – schauen Sie doch mal rein!
Bessere Chancen im Bildungsverbund – schauen Sie doch mal rein!

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