12.01.2018

Mischa Maisky, Yulia Deyneka und Massimo Zanetti
im ersten Sinfoniekonzert des Jahres / 26.1.

Orchester der Komischen Oper Berlin spielt Max Bruch und Richard Strauss
Freitag, 26. Januar 2018 | 20 Uhr Konzert | 19:15 Uhr Einführung

Das Programm des ersten Sinfoniekonzertes dieses Jahres in der Komischen Oper Berlin steht im Zeichen des Umbruchs zwischen Romantik und Moderne und stellt Werke von Max Bruch und Richard Strauss gegenüber. Gemeinsam mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin unter der Leitung von Massimo Zanetti sind mit Mischa Maisky und Yulia Deyneka zwei hochkarätige Virtuosen als Solisten zu erleben.

Wenn Max Bruch und Richard Strauss ihre Werke zu Lebzeiten auf ein und demselben Programm gefunden hätten – sie hätten wohl energisch protestiert. Unterschiedlicher konnten zwei deutsche Komponisten kaum sein. Bruch kritisierte die Neudeutsche Schule, zu der Strauss zählte, mit ihren Programmdichtungen und Formexperimenten offensiv, Strauss hingegen konnte in Bruchs klassizistischem Ideal sicherlich ebenso wenige Berührungspunkte zu seinen klangprallen, minutiös ausdifferenzierten Kompositionen finden. Im Konzert treffen Bruchs meditatives Cello-Gebet Kol Nidrei mit seinem bedeutsamen Ernst, seine Bearbeitung von eingängigen russischen Volksmelodien für Orchester und eine melodisch-süße Romanze für Viola auf Straussʼ vor Ironie und Spott triefenden Don Quixote. Eine brisante Mischung, die die Extrempole der romantischen Musik aufzeigt.

Als Solisten an Violoncello und Viola sind jeweils zwei Meister ihres Fachs zu erleben: der Kosmopolit und Ausnahmekünstler Mischa Maisky sowie Viola-Virtuosin Yulia Deyneka, Solo-Bratschistin der Staatskapelle Berlin und Dozentin an der Barenboim-Said-Akademie. Das Dirigat liegt in den Händen des renommierten italienischen Dirigenten Massimo Zanetti, der in der jüngeren und jüngsten Vergangenheit unter anderem an der Mailänder Scala, der Bayerischen Staatsoper und der Staatsoper Unter den Linden sowie am Gran Teatre del Liceu Barcelona und beim Bruckner Orchester Linz gastierte.
09.01.2018

Calixto Bieito inszeniert Franz Schrekers »Die Gezeichneten« / Premiere 21.1.

Zwischen Psychoanalyse und Symbolismus, Thriller und Tabu
Premiere: Sonntag, 21. Januar 2018 | 18 Uhr

Nach Pelléas et Mélisande, Satyagraha und Anatevka wird mit Franz Schrekers Die Gezeichneten ein weiteres herausragendes Musiktheaterwerk des 20. Jahrhunderts an der Komischen Oper Berlin zu erleben sein. Eine Insel der Lust vor den Toren Genuas, verschwundene und missbrauchte Mädchen, ein körperlich und seelisch deformierter Kunstliebhaber – das sind die Zutaten des spätromantisch-psychologischen Meisterstücks. Schrekers Protagonisten sind auf der Suche nach Erlösung durch Liebe und Schönheit, verlieren sich aber in den Abgründen politischer Machtspiele und erotischer Exzesse. Regisseur Calixto Bieito setzt ein illustres Ensemble in Szene, darunter die international gefeierte Sopranistin Ausrine Stundyte in der weiblichen Hauptrolle, der englische Tenor Peter Hoare als tragischer, missgebildeter Held und das ehemalige Ensemblemitglied Michael Nagy als moralisch korrupter Gegenspieler. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Stefan Soltesz.

Die Gezeichneten von Franz Schreker wurde lange Zeit selten gespielt. In den 1920er-Jahren zählte der Österreicher mit Wirkungsstätte in Berlin zu den meistgespielten deutschsprachigen Komponisten, bevor ihn die nationalsozialistische Ideologie 1933 als »entarteten« Künstler zum Schweigen verdammte. Nach dem Krieg zunächst vergessen, erleben seine Werke seit einigen Jahren eine Renaissance. Selten behandelte eine Oper so explizit die Tabus einer Gesellschaft, gingen unterdrückte sexuelle Triebe und deren Sprengkraft mit so großem Sog in ein musiktheatralisches Werk ein – und selten beleuchtete ein Opernstoff so eindringlich menschliche Abgründe. In ihrer Modernität rührt Die Gezeichneten heute wie damals an brisante Themen: Worüber trauen wir uns nicht zu reden? Und wie gehen wir mit dem um, was dann doch an die Oberfläche des Schweigens dringt? In weit ausgreifenden Melodiebögen und experimentellen harmonischen Entwicklungen bis an den Rand der Tonalität gestaltet Franz Schreker schillernde Seelenporträts. Inspiriert durch Symbolismus und Psychoanalyse entfaltet er ein Musiktheater musikalischer und dramatischer Grenzüberschreitung. Seine Figuren sind buchstäblich voneinander Gezeichnete. Das 1918 uraufgeführte Werk bescherte Schreker seinen endgültigen Durchbruch und stellte ihn für die Zeitgenossen auf eine Stufe mit Richard Strauss.

Mit seiner Debütinszenierung an der Komischen Oper Berlin, Mozarts Die Entführung aus dem Serail, entfachte Calixto Bieito 2005 einen handfesten Opernskandal und sorgte auch mit seinen weiteren Arbeiten für starke, durchaus verstörende Bilder. In seiner achten Arbeit am Haus fragt er mit Die Gezeichneten nach den letzten Tabus des erotischen Begehrens in einer zügellosen und amoralischen Gesellschaft. Er inszeniert die Handlung in einer verdichteten Gegenwart, die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst und Kostümbildner Ingo Krügler gestalten.
29.12.2017

Positive Jahresbilanz 2017

Ausblick auf Januar 2018
Die Komische Oper Berlin blickt zurück auf die ersten vier, überaus erfolgreichen Monate ihrer Jubiläumsspielzeit »70 Jahre Zukunft Musiktheater«. Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky inszenierte zum Saisonauftakt mitreißend Pelléas et Mélisande und steuerte mit einer umjubelten Anatevka die erste Jubiläums-Neuproduktion bei. Weitere Höhepunkte waren Sidi Larbi Cherkaouis einzigartige Interpretation von Philip Glass’ Satyagraha und die erfolgreiche Uraufführung der deutsch-türkischen Kinderoper Die Bremer Stadtmusikanten | Bremen Mızıkacıları. Die künstlerisch vielfältige zweite Hälfte des Jahres 2017 wurde mit Märchen im Grand-Hotel als gelungener Auftakt zu einer neuen Serie konzertanter Operetten-Raritäten von Paul Abraham abgerundet. Auch die Besucherzahlen, bei denen das Haus gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs verbuchen kann, geben Anlass zur Freude. 

Im Kalenderjahr 2017 lag die Gesamtauslastung bei 87,4% (gegenüber 85,5% in 2017). Mehr als 213.300 Menschen besuchten die 241 Vorstellungen (201.953 bei 237 Vorstellungen in 2016). Neuproduktionen und Repertoire waren wieder gleichermaßen beliebt, mehr als die Hälfte aller Produktionen kamen auf 90% Auslastung oder mehr. Regelmäßig ausverkauft (mit einer durchschnittlichen Auslastung von mehr als 98%) waren die Produktionen Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, Anatevka, Satyagraha, Die Zauberflöte, My Fair Lady und Die Perlen der Cleopatra.

Am 21. Januar steht mit Die Gezeichneten von Franz Schreker in der Regie von Calixto Bieito die erste Premiere des noch jungen Jahres auf dem Spielplan. Der katalanische Regisseur inszeniert bereits zum achten Mal an der Komischen Oper Berlin. Im Januar kehren außerdem Mozarts Don Giovanni in der Kultinszenierung von Herbert Fritsch (6.1.), Straus’ Die Perlen der Cleopatra von Barrie Kosky mit Dagmar Manzel in der Titelpartie (31.1.) sowie die Kinderoper Schneewittchen und die 77 Zwerge (25.1.) auf den Spielplan zurück.

10.11.2017

Barrie Kosky inszeniert ANATEVKA / Premiere: 3.12.

Komische Oper Berlin präsentiert Musical-Neuproduktion zum 70. Geburtstag

Premiere: Sonntag, 3. Dezember 2017 | 18 Uhr

Anlässlich des 70. Geburtstags der Komischen Oper Berlin bringt Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky nach seiner triumphalen West Side Story nun eines der bedeutendsten Musicals der Welt zurück auf die Bühne an der Behrenstraße – und erfüllt sich gleichzeitig einen persönlichen Wunsch. In der Inszenierung von Walter Felsenstein war Anatevka unter dem Titel Der Fiedler auf dem Dach mit mehr als 500 Vorstellungen die erfolgreichste Produktion am Haus überhaupt.
 
Musicalneuproduktion in der Tradition des Hauses

Die wahrscheinlich lebensbejahendsten Liebesverwicklungsheiratstragikomödie des 20. Jahrhunderts: Anatevka schildert Humor und Leid herzergreifender Figuren im jüdischen Schtetl Anatevka zwischen (Über-)Lebensfreude und Katastrophe. Rund um den armen Milchmann Tevje erzählt das Stück eine zeitlose Geschichte über Tradition und Gemeinschaft, Familie und Liebe, über persönliche Lebensentscheidungen, Heimat und drohende Entwurzelung vor dem historischen Hintergrund von Pogromen und Vertreibung im Osteuropa des frühen 20. Jahrhunderts.

Für den Intendanten Barrie Kosky gehört das Stück seit Walter Felsensteins Inszenierung von 1971 mit über 500 Aufführungen bis 1988 zur Tradition der Komischen Oper Berlin – für den Regisseur Kosky ist die Neuproduktion die Erfüllung eines persönlichen Traums, denn auch seine Familie ist einst von Osteuropa nach Australien ausgewandert. »Anatevka ist ein Theaterstück über den Verlust eines Zuhauses und die Suche nach einem (neuen) Platz in der Welt. Diese Frage beschäftigt uns heute und hat viele Generationen vor uns beschäftigt; sie ist ein Teil des Menschseins schlechthin. Daher kann sich jeder Zuschauer mit den Figuren in Anatevka identifizieren«, fasst der Intendant und Chefregisseur Aktualität und Relevanz des Stücks zusammen. Max Hopp in der tragenden Hauptrolle als Tevje und Dagmar Manzel als seine zeternde Ehefrau Golde führen ein hochkarätiges Ensemble an. Wie schon bei West Side Story liegt die Musikalische Leitung in den Händen von Musicalspezialist Koen Schoots, für die Choreografien zeichnet erneut Otto Pichler verantwortlich. Gemeinsam mit Rufus Didwiszus (Bühne) und Klaus Bruns (Kostüme) schlägt Kosky eine magisch-realistische Brücke von der Gegenwart in ein metaphorisches osteuropäisches Schtetl um 1905 – in eine facettenreiche Erinnerung an die Vergangenheit, in der Anatevka spielt.

Das Buch zu Anatevka, im englischen Original Fiddler on the Roof, verfasste Joseph Stein nach Motiven aus den berühmten jiddischsprachigen Erzählungen von Scholem Alejchem, die zwischen 1894 und 1916 unter dem Titel Tewje, der Milchmann entstanden. Jerry Bock schuf – mit mehr als 3.000 Aufführungen allein am Broadway – eines der erfolgreichsten, aber auch tragischsten Meisterwerke des Genres, mit Songs und Nummern zwischen typischem Broadway-Musicalsound, schwungvollen Tanzrhythmen und folkloristischen Melodien.

Fortsetzung der Jubiläumsfeierlichkeiten »70 Jahre Zukunft Musiktheater«

Anatevka ist die erste von zwei Neuproduktionen in der Spielzeit 2017/18, mit denen die Komische Oper Berlin ihren 70. Geburtstag begeht und die an das Vermächtnis Walter Felsensteins erinnern. Als zweite Neuproduktion stellt Stefan Herheim am 17. März 2018 seine Lesart eines weiteren Stücks vor, das in der Inszenierung von Felsenstein im Haus an der Behrenstraße und darüber hinaus legendäre Erfolge feierte: Jacques Offenbachs Operette Blaubart.

Vor und nach der Premiere von Anatevka am 3. Dezember feiert die Komische Oper Berlin ihren 70. Geburtstag: Am Nachmittag findet eine Podiumsdiskussion zum Thema »70 Jahre Zukunft Musiktheater« mit Barrie Kosky (Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin), Thomas Flierl (Berliner Kultursenator a. D.), Andreas Kleinert (Filmregisseur, Grimme-Preisträger), Julia Spinola (Journalistin) und Ethel Matala de Mazza (Literaturwissenschaftlerin) statt, moderiert von Knut Elstermann (Moderator, Radio Eins). Im Anschluss an die Premiere legt DJ Ipek bei der großen Geburtstagsparty auf – Sekt und Geburtstagskuchen inklusive! Der Eintritt zu Podiumsdiskussion und Geburtstagsparty sind frei.

Der Geburtstag der Komischen Oper Berlin jährt sich offiziell einen Tag vor Heiligabend. Das Haus wurde am 23. Dezember 1947 eröffnet, auf dem Spielplan stand Die Fledermaus von Johann Strauss. Während der Spielzeit 2017/18 wird das Jubiläum mit diversen Veranstaltungen begangen. Weitere Informationen zur Jubiläumsspielzeit unter https://www.komische-oper-berlin.de/presseservice/pressefotos_informationen/70jahrejung/

Premiere: Sonntag, 15. Oktober 2017 | 18 Uhr

Zum Saisonauftakt der Jubiläumsspielzeit »70 Jahre Zukunft Musiktheater« inszeniert Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky erstmals in der Geschichte des Hauses Claude Debussys Pelléas et Mélisande, einen Meilenstein des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts, und hat dafür im Ensemble eine ideale Besetzung gefunden. Anlässlich der Premiere, die live und kostenlos im Internet gestreamt wird, wird eine digitale Ausstellung über die vergangenen 70 Jahre des Hauses an der Behrenstraße eröffnet.
 
Pelléas und Mélisande – Ein psychologisches Kammerspiel von Meisterhand

»Ne me touche pas!« – »Fass mich nicht an!« Die fragile Geschichte der Liebe zwischen dem jungen Prinzen Pelléas und der weltverlorenen Mélisande, die mit Pelléas’ Bruder Golaud vermählt ist, gewährt einen tiefen Blick in die Verstrickungen beschädigter menschlicher Seelen. In feinsten Klangfarben schildert Claude Debussy basierend auf einem Text des Nobelpreisträgers Maurice Maeterlinck eine tragische Dreiecksgeschichte und entführt den Zuschauer in eine poetisch-melancholische Welt von tiefer Verlorenheit und Sehnsucht nach erfüllender Nähe. Barrie Kosky, der sich nach seinem Bayreuth-Erfolg mit Die Meistersinger von Nürnberg in seinen neuen Regiearbeiten in dieser Spielzeit ausschließlich auf die Arbeit in Berlin konzentriert, blickt in die ahnungsvollen Abgründe der menschlichen Psyche, die sich in dem symbolistischen Meisterwerk auftun. Die Musikalische Leitung übernimmt Jordan de Souza, frischgebackener Kapellmeister am Haus, einer der talentiertesten Dirigenten der jüngeren Generation. Nadja Mchantaf, die im letzten Jahr als Cendrillon, Tatjana und Rusalka die Herzen des Berliner Publikums eroberte, ist als Mélisande an der Seite von Dominik Köninger (Pelléas) und Günter Papendell (Golaud) zu erleben.

Barrie Kosky konzentriert sich in seiner Inszenierung in französischer Sprache auf das Wesentliche: Wie durch ein Vergrößerungsglas gibt er das Innerste seiner Figuren dem Blick – und dem Ohr – des Publikums preis. Klaus Grünbergs minimalistisch-melancholisches Bühnenbild, in dem die Protagonisten schicksalshaft aufeinander zu- und voneinander wegdriften, schafft immer neue und überraschende Raum- und Figurenkonstellationen. Es entspinnt sich ein Drama, in dem das Wesentliche ungesagt bleibt und das so seine verhängnisvolle Macht mit voller Wucht entfalten kann. Mit Klaus Grünberg arbeitete Kosky bereits mehrfach erfolgreich zusammen, in Berlin zuletzt für Moses und Aron, für Macbeth am Opernhaus Zürich und für Die Nase (Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin) am Londoner Royal Opera House. Erstmals im künstlerischen Team dabei: die Kostümbildnerin Dinah Ehm, die zuletzt an der Stuttgarter Staatsoper Armin Petras’ Operndebut begleitete.

Digitale Ausstellung und Streaming

Anlässlich der Premiere wird die digitale Jubiläumsausstellung präsentiert, die das Haus in Kooperation mit dem Studiengang Europäische Medienwissenschaft der Fachhochschule und Universität Potsdam erarbeitet. Ziel dieser Ausstellung auf der Homepage der Komischen Oper Berlin ist es, jenseits von einer detaillierten Chronologie der letzten 70 Jahre die Philosophie und die inhaltliche Ausrichtung des Hauses schlaglichtartig zu betrachten und dabei – dem Motto »70 Jahre Zukunft Musiktheater« entsprechend – eine Brücke in die Gegenwart bzw. Zukunft zu schlagen.

Die Ausstellung ist ab 15. Oktober unter www.komische-oper-berlin.de online.
Weitere Informationen zur Jubiläumsspielzeit  

Die Premiere von Pelléas et Mélisande wird über die Homepage des Hauses live gestreamt. Weitere geplante Streaming-Termine in der Spielzeit 2017/18 sind Jacques Offenbachs Blaubart (Regie: Stefan Herheim) am 17. März 2018 sowie Georg Friedrich Händels Semele (Regie: Laura Scozzi) am 12. Mai 2018.

Klassische deutsche Fabel trifft auf kulturelle Vielfalt. – Am 24. September wird die einzigartige Kinderopern-Tradition der Komischen Oper Berlin fortgeschrieben: Das Ensemble präsentiert unter der Musikalischen Leitung von Kapellmeister Ivo Hentschel ein brandneues Auftragswerk des Hauses für die jüngsten Besucher*innen, das geradezu auf Berlin und seine bunte Kultur zugeschnitten ist: In Die Bremer Stadtmusikanten | Bremen Mızıkacıları aus der Feder des türkischen Komponisten Attila Kadri Şendil und des Librettisten Ulrich Lenz erscheinen die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen und Stile als selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags – der beiläufige Wechsel zwischen zwei Sprachen ebenso wie die musikalische Bandbreite von großer Oper über Jazz bis hin zu volksliedähnlichen Nummern. Die Regie übernimmt der junge Regisseur Tobias Ribitzki, der zuletzt unter anderem mit seiner Inszenierung von Der Liebestrank an der Staatsoper Hannover überzeugte und der Komischen Oper Berlin als langjähriger Regieassistent und Spielleiter verbunden ist.

Die Kinderoper erzählt in neuem Gewand die berühmte Grimm’sche Fabel, die auch in der Türkei populär ist: Vier Vertriebene – Esel, Hund, Katze und Hahn (Carsten Sabrowski, Adrian Strooper, Katarzyna Włodarczyk und Andromahi Raptis) nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und erfahren, um wieviel stärker man als Gruppe ist. Schöpfer der neuen deutsch-türkischen Kinderoper ist der türkische Komponist Attila Kadri Şendil. Aus İzmir stammend, hat er in İstanbul, Paris und Memphis/USA Klarinette und Komposition studiert und lehrt heute an der Akdeniz Üniversitesi in Antalya. Obwohl auf orientalischen Tonsystemen fußend, klingt seine stilistisch sehr weit gefasste Musik auch dem westeuropäischen Hörer überaus vertraut. Während türkische Instrumente wie Zurna, Bağlama, Ud und Kanun das Orchester um neue Klangfarben bereichern, fließen in Şendils Vertonung unterschiedlichste musikalische Quellen zusammen.

Die Komische Oper Berlin blickt auf eine im deutschsprachigen Raum einzigartige Tradition zurück: Seit weit mehr als zehn Jahren präsentiert sie in jeder Spielzeit eine neue große Kinderopernproduktion gleichwertig neben den übrigen Produktionen im Großen Saal, darunter regelmäßig Uraufführungen. In der Spielzeit 2017/18 steht neben der neuen Kinderoper ab   25. Januar 2018 Schneewittchen und die 77 Zwerge als Wiederaufnahme auf dem Spielplan.

Das traditionelle Kinderfest zum Spielzeitbeginn findet dieses Jahr am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) statt. Für alle Opernfreund*innen ab 4 Jahren bietet sich ein buntes Spektakel rund um die neue Kinderoper.

Die Uraufführung wurde finanziell unterstützt durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung, die Karl Schlecht Stiftung sowie den Förderkreis Freunde der Komischen Oper Berlin.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der vollständigen Meldung zum Download.
17.07.2017

Saisonabschluss 2016/17

Petruschka/L’Enfant et les Sortilèges (10.9.) eröffnet die neue Spielzeit
Die Komische Oper Berlin blickt auf eine erfolgreiche fünfte Spielzeit unter Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky zurück. Mit herausragenden Neuproduktionen, wie Il barbiere di Siviglia in der Inszenierung von Kirill Serebrennikov, Aribert ReimannsMedea mit der überragenden Nicole Chevalier, Petruschka/L’Enfant et les Sortilèges – der neuen Produktion der britischen Theatergruppe »1927« – sowie den Barrie-Kosky-Inszenierungen der Raritäten Die Perlen der Cleopatra mit Dagmar Manzel und Der Jahrmarkt von Sortoschinzi, konnte das Haus erneut seine programmatische Vielfältigkeit und sein künstlerisches Facettenreichtum unter Beweis stellen und begeisterte damit Publikum und Kritik gleichermaßen. Mit der gestrigen, ausverkauften Vorstellung von Modest P. Mussorgskis Der Jahrmarkt von Sorotschinzi im Rahmen des traditionellen Komische Oper Festival endete die Spielzeit 2016/17 im Haus an der Behrenstraße. Im Rahmen der Vorstellung wurde der scheidende Generalmusikdirektor Henrik Nánási von Kultursenator Dr. Klaus Lederer und der Leitung des Hauses verabschiedet. Mehrere erfolgreiche Gastspiele runden die Saison ab, unter anderem mit Eine Frau, die weiß, was sie will! in Hamburg und Dresden sowie Die Zauberflöte in Budapest, Moskau und aktuell in Peking.

Die Komische Oper Berlin freut sich auch bei den Zahlen über eine erfolgreiche Bilanz 2016/17. Die Gesamtauslastung lag bei 85,3%, es wurden 205.099 Karten für die 238 Vorstellungen, davon 206 auf der großen Bühne, verkauft. Neuproduktionen und Repertoire waren gleichermaßen gefragt. Zu den erfolgreichsten Produktionen der Spielzeit, die (annähernd) ausverkauft waren, zählen die Neuproduktionen Petruschka/L’Enfant et les Sortilèges, Die Perlen der Cleopatra, Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, Il barbiere di Siviglia und die Kinderoper Peter Pan sowie im Repertoire Die Zauberflöte, My Fair Lady, Ball im Savoy, Carmen und Orpheus.

Am 10. September eröffnet die neue Spielzeit mit der Wiederaufnahme Petruschka/L’Enfant et les Sortilèges, am 23. September kehrt Eine Frau, die weiß, was sie will! mit Dagmar Manzel und Max Hopp zurück. Am 24. September steht mit der Uraufführung der deutsch-türkischen Kinderoper Die Bremer Stadtmusikanten die erste Premiere auf dem Spielplan, gefolgt von den Neuproduktionen Pelléas et Mélisande (15.10.) in einer Inszenierung von Barrie Kosky und Philip GlassSatyagraha (27.10.), inszeniert von Sidi Larbi Cherkaoui.

Weitere Informationen finden Sie unter der jeweiligen Produktion im Menupunkt »Produktionen A-Z«.
01.07.2017

Spielzeit 2017/18 | Season 2017/18

Vorschau | Preview
For English version see download below.

Vor 70 Jahren gründete Walter Felsenstein die Komische Oper als einen Ort, an dem sich Musiktheaterschaffende nicht einfach auf die reiche Operntradition verlassen, sondern sie hinsichtlich ihrer Aktualität und Zukunftsfähigkeit immer wieder aufs Neue befragen. Auch in der Jubiläums-Spielzeit 2017/18 setzen Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky und die Geschäftsführende Direktorin Susanne Moser mit ihrem Team diesen Anspruch wieder in einem vielfältigen Programm um – mit besonderen Akzenten zum 70. Geburtstag. Von Barockoper über Operette und Musical sowie musikalische Meilensteine der Opernliteratur des 20. Jahrhunderts bis hin zur Kinderopern-Uraufführung, mit Werken von Georg Friedrich Händel bis Philip Glass, von Jacques Offenbach bis Jerry Bock, von Claude Debussy bis Dmitri Schostakowitsch, inszeniert von herausragenden Regisseuren unserer Zeit ebenso wie von Regie-Newcomern.

Premieren

Der 70. Geburtstag wird nicht nur mit einer großen Geburtstagstorte am 3. Dezember, sondern auch mit zwei Jubiläumsproduktionen gefeiert: Zwei Werke, die in legendären Felsenstein-Inszenierungen Erfolge feierten, kehren als Neuproduktionen zurück. Barrie Kosky inszeniert Jerry Bocks Musical Anatevka mit Max Hopp (im Wechsel mit Markus John) und Dagmar Manzel in den Hauptrollen und der Theaterzauberer Stefan Herheim präsentiert Jacques Offenbachs Operette Blaubart in einer deutsch-französischen Neufassung. Insgesamt neun szenische Premieren und eine konzertante stehen auf dem Spielplan, darunter mit Pelléas et Mélisande und Die Nase (beides inszeniert von Barrie Kosky), Die Gezeichneten (inszeniert von Calixto Bieito) und Philip Glass’Satyagraha (inszeniert von Sidi Larbi Cherkaoui) eine Serie von vier einzigartigen und herausragenden Werken des 20. Jahrhunderts. Zudem wird es zwei Uraufführungen geben: Die Bremer Stadtmusikanten, eine neue deutsch-türkische Kinderoper, und eine Produktion mit Mezzo-Star Anne Sofie von Otter, dem Schauspieler Wolfram Koch und Liedern der 1920er und 30er Jahre. Märchen im Grand-Hotel (mit Max Hopp unter der Musikalischen Leitung von Adam Benzwi) eröffnet einen fünfteiligen Zyklus konzertanter Operetten von Paul Abraham – und schärft das Profil im Bereich Musiktheater der 1920er und 30er Jahre weiter. Mit Händels Semele wird die Serie von Barockopern fortgesetzt und im November gibt es eine Neuauflage des erfolgreichen Stummfilmfestivals Kino Varieté.

Repertoire und Konzerte

Nach längerer Pause gibt es ein Wiedersehen mit Calixto Bieitos Inszenierung von Die Entführung aus dem Serail und Stefan Herheims Xerxes. Im Repertoire sind u. a. die Erfolgsproduktionen Die Perlen der Cleopatra, Il barbiere di Siviglia und Petruschka/L’Enfant et les Sortilèges aus der laufenden Spielzeit zu erleben sowie Jewgeni Onegin, Die schöne Helena und natürlich die weltweit gefeierte Zauberflöte. In einer Spielzeit 2017/18 begrüßt das Haus zwei profilierte Kapellmeister: Ivo Hentschel und Jordan de Souza.
Bei den Sinfoniekonzerten freut sich das Orchester der Komischen Oper Berlin auf Solist*innen und Dirigenten wie Fazıl Say, Mischa Maisky, Daniel Hope, Nicola Benedetti, Christoph Eschenbach, Kristjan Järvi sowie Katia und Marielle Labèque.

Projekte »Jung« und »Selam Opera!«

Auch über die deutsch-türkische Kinderopern-Uraufführung hinaus setzen »Komische Oper Jung« und das interkulturelle Projekt »Selam Opera!« ihre erfolgreiche Arbeit fort und bereichern die bestehenden Projekt-Teile u. a. durch den »Berliner Sing Along« und die »Pop-up-Opera«. Jährlich kommen rund 40.000 Kinder und Jugendliche aus Berlin und Brandenburg und aus allen Communities in die Vorstellungen der Komischen Oper Berlin. Der Anteil erwachsener Besucher*innen nicht-deutscher Herkunft liegt bei nahezu 10 %.

Vorverkaufsbeginn und Streamings

Der allgemeine Vorverkauf für die Spielzeit 2017/18 beginnt am 31. März 2017 um 11 Uhr. Auch in der neuen Spielzeit streamt das Haus wieder drei Premieren live und kostenlos im Internet (Pelléas et Mélisande am 15.10.2017, Die Gezeichneten am 21.1.2018 und Blaubart am 17.3.2018). Mehr als 185.000 Menschen konnten bisher mit den Streamings der letzten und der laufenden Spielzeit erreicht werden.
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