14.06.2018

Daniel Hope und Sebastian Knauer im Sinfoniekonzert / 29.6.

Mozart trifft auf Schulhoff, Schreker und Weinberg
Freitag, 29. Juni 2018 | 20 Uhr Konzert | 19:15 Uhr Einführung

Zum letzten Konzert der Spielzeit begrüßt das Orchester der Komischen Oper Berlin zwei alte Bekannte, die bereits mehrfach als Solisten mit dem Klangkörper konzertierten: Die beiden Starmusiker Daniel Hope und Sebastian Knauer gestalten gemeinsam einen Abend als Solisten. Der in Berlin lebende Geiger und der Hamburger Pianist präsentieren ein vielfältiges Programm, das einen der wohl bekanntesten Komponisten der Musikgeschichte drei Komponisten des 20. Jahrhunderts gegenüberstellt, die als politisch Verfolgte fast aus der Musikgeschichtsschreibung getilgt wurden und die seit einigen Jahren eine verdiente Renaissance erleben.

Im Zentrum der ersten Konzerthälfte steht Wolfgang Amadeus Mozart, unter anderem mit dem bekannten Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 A-Dur KV 488, einem der herausragenden Werke dieser Gattung aus seiner Feder, sowie mit einer Rarität, einem nur fragmentarisch überlieferten Konzert für Violine, Klavier und Orchester in D-Dur. Die zweite Konzerthälfte ist nahezu vergessenen Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet, die durch die Regime des Nationalsozialismus bzw. der Sowjetunion teils bis in den Tod verfolgt wurden und deren Werke so fast in Vergessenheit gerieten. Franz Schreker, der 1934 – als »entartet« eingestuft und in den Zwangsruhestand versetzt – an den Folgen eines Herzinfarktes starb, eröffnet mit dem Intermezzo op. 8 den zweiten Teil. Der 1919 geborene Mieczysław Weinberg floh 1941 vor den Nazis aus seiner Heimatstadt Warschau in die UdSSR, doch auch hier wurde er wenige Jahre später diskriminiert und in seinem künstlerischen Schaffen eingeschränkt. Das 1948 entstandene Concertino op. 42 für Violine und Streicher legt Zeugnis von seinen Bemühungen ab, eine Gratwanderung zwischen der Einhaltung parteioffizieller ästhetischer Vorgaben und der Wahrung seiner künstlerischen Integrität zu vollziehen. Erwin Schulhoff, wie Weinberg und Schreker jüdischer Abstammung, war als Kommunist in den Augen der Nazis gleich doppelt suspekt. Eine Flucht in die UdSSR scheiterte, er wurde verhaftet und verstarb 1942 in einem NS-Internierungslager. Sein Doppelkonzert op. 63 in einer Fassung für Violine, Klavier und Orchester beschließt das Konzert.

Sowohl Daniel Hope als auch Sebastian Knauer haben sich über Jahre jeweils Namen durch ihre vielseitige Kreativität in der Programmgestaltung und darüber hinaus gemacht, auch als langjährige Duopartner in zahlreichen gemeinsamen Projekten. Ob in Europa, den USA oder in Japan – das befreundete Duo erlebt durchweg Begeisterung bei Publikum und Presse. Ihr gemeinsam eingespieltes Projekt »East meets West« wurde 2005 sogar mit einer Grammy-Nominierung belohnt. Die musikalische Leitung übernimmt die 1. Konzertmeisterin Sophie Heinrich vom Konzertmeister-Pult aus.
30.05.2018

Barrie Kosky und Ainārs Rubiķis präsentieren Schostakowitschs »Die Nase« / Premiere: 16.6.

Gefeierte Koproduktion mit London, Sydney und Madrid feiert Berlin-Premiere

Premiere: Samstag, 16. Juni 2018, 19 Uhr

Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky wählte für seine Debüt-Inszenierung am Royal Opera House Covent Garden Dmitri Schostakowitschs selten gespielte Oper Die Nase, die auf Nikolai Gogols 1836 erschienener gleichnamigen Erzählung basiert und vom absurd-grotesken Nasenverlust des eitlen Kollegienassessors Platon Kusmitsch Kowaljow erzählt. Der erst 21-jährige Schostakowitsch vertonte 1927/28 die absurde Geschichte als bizarr-verrücktes Musiktheater. In einer Mischung aus Albtraum und verrückt überzogener Satire inszeniert Barrie Kosky fahrende Rikscha-Tische, karikaturesk überzeichnete Protagonisten und steppende Nasen (Choreographie: Otto Pichler). Knallbunte Kostüme zwischen Folklore und Historismus von Buki Shiff bevölkern einen kühlen, trotz seiner Größe klaustrophobisch wirkenden Raum von Klaus Grünberg und Anne Kuhn. Die surrealistische Geschichte um die Verlustängste und die Paranoia des kleingeistigen Emporkömmlings Kowaljow wird zu einem absurden revueartigen Kaleidoskop der Eitelkeiten, eine verstörende Mischung aus Wozzeck und Alice im Wunderland, die ihre ganz eigene »sinnlose« Logik besitzt. Nach einer Zwischenstation in Sydney ist die Produktion, die 2016 in London ihr umjubelte Premiere feierte, nun unter der musikalischen Leitung von Ainārs Rubiķis, in einer neuen deutschen Textfassung von Ulrich Lenz und in größtenteils neuer Besetzung in Berlin zu erleben.

Mit der letzten Neuproduktion der Saison stellt sich auch der zukünftige Generalmusikdirektor des Hauses vor: Der lettische Dirigent Ainārs Rubiķis, der mit Beginn der Spielzeit 2018/19 Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin wird, übernimmt die musikalische Leitung und gibt damit an der Seite von Barrie Kosky seinen vorgezogenen Einstand in der Hauptstadt, bevor er im Herbst die Saisoneröffnungspremiere Die tote Stadt leiten wird. In der Hautpartie als Kowaljow wird Ensemblemitglied Günter Papendell zu erleben sein, der zuletzt als Don Giovanni, Jewgeni Onegin und Golaud (Pelléas et Mélisande) im Haus an der Behrenstraße gefeiert wurde. Die verbleibenden 77 Partien teilt sich ein Ensemble bestehend aus Mitgliedern und regelmäßigen Gästen der Komischen Oper Berlin sowie aus Gästen, die in die Rollen zurückkehren, die sie bereits in London übernommen haben. Auf der einen Seite unter anderen Jens Larsen, Mirka Wagner, Ivan Turšić und Ursula Hesse von den Steinen, auf der anderen Seite Rosie Aldridge, Alexander Kravets sowie Alexander Lewis.

16.04.2018

Fortsetzung der Barockserie: Barrie Kosky inszeniert Georg Friedrich Händels »Semele« / Premiere: 12.5.

Laura Scozzi musste aus gesundheitlichen Gründen die Inszenierung abgeben
Premiere: Samstag, 12. Mai 2018, 19.30 Uhr (mit Live-Stream)

Die Komische Oper Berlin setzt mit Georg Friedrich Händels Semele ihre Serie von Barockopern-Produktionen fort. Ein hochkarätiges Ensemble unter der Leitung von Barockspezialist Konrad Junghänel ist in einer Inszenierung von Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky – anstatt der erkrankten Laura Scozzi – zu erleben. Das Oratorium in englischer Sprache gehört, wenngleich in Deutschland selten gespielt, weltweit zu den populärsten Werken des Komponisten.

Barockoper im Gewand eines Oratoriums

Jupiter entführt an ihrem Hochzeitstag seine Geliebte, die Königstocher Semele. Juno, die eifersüchtige Gattin des Göttervaters, setzt alles daran, der hemmungslosen Affäre ein Ende zu setzen. Getarnt als deren jüngere Schwester Ino überredet sie Semele, Jupiter dazu zu bringen, sich in seiner wahren göttlichen Gestalt zu zeigen. Nur so könne Semele die ersehnte Unsterblichkeit erlangen. Semeles Ehrgeiz ist schließlich stärker als Jupiters Widerstand und ihr Schicksal besiegelt: In den sengenden Strahlen des Gottes verbrennt sie zu Staub.

Als Händel im Februar 1744 dem Publikum in Covent Garden sein neuestes Oratorium, Semele, präsentierte, zeigte sich selbst die liberale Londoner Bürgerschaft ob des schlüpfrigen Sujets leicht irritiert. Erwartet hatte es an dieser Stelle einen biblischen Stoff – der Fastenzeit entsprechend. Letztlich ließ sich das Publikum aber von der saftigen Handlung und Händels mit reichen Chören durchwirkten Musik überzeugen. Semele ist allerdings weit mehr als erotischer Mythos und witzige Kritik an einer fehlerbehafteten Götterwelt. Anmaßung, blinder Ehrgeiz und ungehemmte Eitelkeit werden hier als fatale menschliche Schwächen aufgezeigt. Die Götterwelt zeigt sich selbst als menschlich – allzu menschlich – ist den Sterblichen aber qua definitionem überlegen und macht letztere zu ihren Spielbällen. Obwohl vom Komponisten als Oratorium bezeichnet, erfüllt Semele alle Kriterien einer Oper, wenn auch keiner im starren Opera-seria-Korsett.
Konrad Junghänel, der zuletzt zur Wiederaufnahme von Stefan Herheims gefeierter Händel-Inszenierung Xerxes an der Komischen Oper Berlin den Taktstock schwang, legt als versierter Kenner und Könner Alter Musik ein weiteres zentrales Werk aus Händels Feder in seiner musikalischen Lesart vor. Ihm zur Seite steht ein herausragendes Ensemble an Sänger*innen: Faust-Preis-Gewinnerin Nicole Chevalier als Semele kann einmal mehr ihre vielseitige Schauspiel- und Gesangskunst unter Beweis stellen. Die Mezzo-Sopranistin Katarina Bradić, bereits als Amastris in Xerxes gefeiert und inzwischen international gefragt, wird als jüngere Schwester Ino zu erleben sein. Tenor und Barock-Experte Allan Clayton, zuletzt an der Komischen Oper Berlin an der Seite von Nicole Chevalier in Castor et Pollux bejubelt, verkörpert einen jugendlich-frischen Jupiter, während Ezgi Kutlu als dessen betrogene Ehefrau Juno aus tiefster Seele auf Rache sinnt.

Barrie Kosky übernimmt für Laura Scozzi

Die Regisseurin Laura Scozzi, die mit Semele ihr Regiedebüt an der Komischen Oper Berlin geben sollte, konnte aus gesundheitlichen Gründen kurz nach Probenbeginn die Arbeit nicht weiter fortsetzen. Kurzfristig übernahm Barrie Kosky die Regie und arbeitet so erstmals mit dem von Laura Scozzis für diese Produktion vorgesehenen Team: Bühnenbildnerin Natacha Le Guen de Kerneizon, Kostümbildnerin Carla Teti und Lichtdesigner Alessandro Carletti. Der Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin konnte bereits 2015 sein Geschick für Händels Oratorien unter Beweis stellen: Seine Inszenierung von Saul für das Glyndebourne Festival wurde von Presse und Publikum gleichermaßen gefeiert und eröffnete als Gastspiel zudem das Adelaide Festival 2017. Gemeinsam mit Konrad Junghänel und dem Ensemble setzt Barrie Kosky in seiner Lesart von Semele auf das menschliche Drama hinter den göttlichen Ränkespielen, denn »wen die Götter strafen möchten, dem erfüllen sie seine Wünsche«.

Statements zum Wechsel der Regie

Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur: »Es ist sehr schwierig, in so kurzer Zeit einen Ersatzregisseur zu finden, aber – den Theatergöttern sei Dank! – habe ich aufgrund der Verschiebung des Anne Sofie von Otter-Projektes Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn! Zeit, Semele umzusetzen. Gemeinsam mit Laura Scozzis ursprünglichem Team und dem fantastischen Ensemble realisiere ich ein neues Konzept. Mit einer verbleibenden Probenzeit von rund sechs Wochen seit der Übernahme haben wir eine gute Ausgangsposition. Wir alle wünschen Laura, dass sie bald wieder vollständig gesund wird.«

Laura Scozzi, Regisseurin: »Wegen gesundheitlicher Probleme sehe ich mich bedauerlicherweise gezwungen, die Inszenierung von Semele abzugeben. Ich war darüber sehr betrübt, denn das Projekt liegt mir sehr am Herzen und ich habe sehr viel Zeit und Liebe darin investiert. Seit ich jedoch weiß, dass Barrie Kosky die Regie übernimmt, bin ich ungeheuer erleichtert: Ich bin mir sicher, dass das Projekt nun einen guten Weg nehmen wird, und wünsche Barrie und dem Team alles Gute.«

03.04.2018

Die Spielzeit 2018/19

1 neuer Generalmusikdirektor. 1 Uraufführung. 7 Premieren. 14 Wiederaufnahmen von »Der Rosenkavalier« bis »West Side Story«. 3 Festivals, die Leonard Bernstein, den Tango und die Komische Oper Berlin feiern.
Am heutigen Dienstag stellen Intendant Barrie Kosky, der designierte Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis und die Geschäftsführende Direktorin Susanne Moser Medienvertreter*innen und Publikum die Spielzeit 2018/19 an der Komischen Oper Berlin vor. Auf dem Programm stehen acht Neuproduktionen, darunter eine Uraufführung, 14 Wiederaufnahmen, drei Festivals und vieles mehr.

Premieren

Wie ein blassroter Faden durchzieht die Stadt in all ihren symbolischen, philosophischen, sozialen und künstlerischen Dimensionen Spielzeit 2018/19. Metropolen treten mal als Metapher für Morbidität wie in Korngolds Die tote Stadt auf, mal als grausamer Protagonist wie in der Uraufführung von M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Moritz Eggert, mal ganz konkret als Paris des 19. Jahrhunderts in La Bohème und mal eher im Hintergrund als New York des 20. Jahrhunderts, dem Schaffensort von Leonard Bernstein, dessen 100. Geburtstag mit einem Festival rund um die Premiere von Candide gefeiert wird. Das Berlin der »wilden Zwanziger« war eine der Quellen für das Operettenschaffen von Paul Abraham, der die Metropolenkultur in sein Werk aufsaugte. Gleich zwei seiner Werke stehen mit Viktoria und ihr Husar und Roxy und ihr Wunderteam neben der Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion Ball im Savoy neu auf dem Spielplan. Gleichzeitig ist Berlin der Ort, an dem die Komische Oper Berlin steht, an dem sie nicht nur geographisch, sondern vor allem auch künstlerisch verwurzelt und verankert ist. Das Haus versteht sich als Ort, an dem nicht nur Werke wie Bernsteins West Side Story – ursprünglich angesiedelt in New York – oder Die Perlen der Cleopatra von Oscar Straus für das Berlin von heute neu gedeutet werden. Ein Theater, das nicht zuletzt durch Regielegenden wie Harry Kupfer geprägt wurde, der 2019 nach mehr als 15 Jahren zurückkehrt, um sich mit der Inszenierung von Händels Poros einen lange gehegten Traum zu erfüllen.

Einstand Ainārs Rubiķis und Repertoire

Mit der Neuproduktion Die tote Stadt und der Uraufführung M – Eine Stadt sucht einen Mörder sowie den Wiederaufnahmen von Der Rosenkavalier, Die Liebe zu drei Orangen, Cendrillon und Die Zauberflöte stellt sich der neue Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis mit einem vielfältigen Programm im Bereich Musiktheater vor. In den ersten drei Sinfoniekonzerten sowie dem Neujahrskonzert präsentiert er sich dem Berliner Publikum auch als Konzertdirigent und musiziert mit Solist*innen wie Fazıl Say, Martin Grubinger, Daniel Lozakovich und Katharine Mehrling. Das musikalische Spektrum reicht dabei von Ravel und Beethoven über Bruckner und Gustav Holst bis hin zu John Corigliano und – zum 100. Geburtstag – Leonard Bernstein. In der zweiten Hälfte der Konzertsaison begrüßt das Orchester der Komischen Oper Berlin Gäste wie Kristiina Poska, Hermann Bäumer, Rudolf Buchbinder, Midori und Gabriela Montero.
Nach längerer Pause gibt es ein Wiedersehen mit zwei gefeierten Inszenierungen des ehemaligen Intendanten Andreas Homoki: Mit Prokofjews Die Liebe zu drei Orangen (1998) kehrt die älteste sich noch im Repertoire befindende Produktion des Hauses auf die Bühne zurück, und im Juni 2019 leitet der neue Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis die Wiederaufnahme von Strauss’ Der Rosenkavalier. Nach kurzer Pause wieder auf dem Spielplan stehen die Barrie-Kosky-Produktionen West Side Story, Der Jahrmarkt von Sorotschinzi und Ball im Savoy sowie Cendrillon in der Inszenierung von Damiano Michieletto. Wie auch in der laufenden Spielzeit sind unter anderem die Erfolgsproduktionen Die Perlen der Cleopatra, Die Zauberflöte, Anatevka, My Fair Lady und Eine Frau, die weiß, was sie will! zu erleben.

Projekte »Jung« und »Selam Opera!«

Über Kinderopern und -konzerte sowie den Operndolmuş hinaus setzen »Komische Oper Jung« und das interkulturelle Projekt »Selam Opera!« dank zahlreicher Unterstützer ihre erfolgreiche Arbeit fort, u. a. mit dem Willkommensklassen-Projekt Peter und der Wolf, dem kulturellen Bildungsprojekt »Jobs@Opera« und der »Pop-up-Opera«. Jährlich kommen rund 36.000 Kinder und Jugendliche aus Berlin und Brandenburg und aus allen Communities in die Vorstellungen der Komischen Oper Berlin. Der Anteil erwachsener Besucher*innen mit Migrationshintergrund liegt bei rund 10%.

Vorverkaufsbeginn und Streamings

Der allgemeine Vorverkauf für die Spielzeit 2018/19 beginnt am 18. April 2018 um 11 Uhr. Förderkreismitglieder, Abonnent*innen und OpernCard 25-Inhaber*innen können exklusiv bereits ab 4. April, 11 Uhr Tickets erwerben. Auch in der neuen Spielzeit streamt das Haus wieder Premieren live und kostenlos im Internet (Die tote Stadt am 30. Sep 2018 und M – Eine Stadt sucht einen Mörder am 5. Mai 2019). Mehr als 250.000 Zuschauer*innen in über 100 Ländern – vom Ruhrpott bis Rarotonga – erreichten die Streamings seit der ersten Ausgabe im Oktober 2015.
28.03.2018

Vorläufige Absage der Neuproduktion »Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn!« | Vorstellungsänderungen 30. Apr., 5. und 9. Mai

Ersatzvorstellungen: »Anatevka« (30. Apr) und Operettenabend »Farges mikh nit« mit Barrie Kosky, Helene Schneiderman und Alma Sadé (5. und 9. Mai)
Wegen des Todes ihres Ehemanns hat Anne Sofie von Otter ihre Mitwirkung bei Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn! an der Komischen Oper Berlin vorerst abgesagt. Da Anne Sofie von Otter Herzstück dieses Kabarett-Abends von Barrie Kosky gewesen wäre, muss die Neuproduktion in dieser Spielzeit entfallen. Die Premiere am 30. April 2018 sowie die Folgevorstellungen am 5. und 9. Mai werden durch andere Produktionen ersetzt. Gemeinsam mit allen Beteiligten sucht das Haus nach Möglichkeiten, Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn! in einer der folgenden Spielzeiten zu realisieren.

Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur: »Wir bedauern Anne Sofie von Otters Verlust zutiefst und wünschen ihr und ihrer Familie in dieser schweren Zeit viel Kraft. Wir verstehen vollkommen, dass es ihr momentan nicht möglich ist, an diesem Projekt zu arbeiten, und freuen uns umso mehr, dass sie trotz allem bereits ihr Interesse signalisiert hat, Ich wollt', ich wär' ein Huhn! zu einem späteren Zeitpunkt auf die Bühne zu bringen.«

Statt der Premiere am 30. April hat die Komische Oper Berlin um 19 Uhr eine Zusatzvorstellung von Anatevka in den Spielplan aufgenommen. Die Erfolgsproduktion von Barrie Kosky ist in dieser Spielzeit restlos ausverkauft. Am 5. und 9. Mai jeweils um 20 Uhr präsentiert Barrie Kosky am Klavier gemeinsam mit den Sängerinnen Alma Sadé und Helene Schneiderman einen Abend mit jiddischen Operettenliedern: »Farges mikh nit« – Vergiss mich nicht.

Umtausch und Erstattung der bereits gekauften Tickets

Bereits gekaufte Karten behalten auch für die jeweilige Ersatzvorstellung ihre Gültigkeit. Kund*innen, die Tickets für die Vorstellungen am 5. und 9. Mai gekauft haben, erhalten wegen der niedrigeren Kartenpreise für die Ersatzvorstellung zusätzlich eine 50%ige Ermäßigung auf ihre nächste Ticketbuchung für eine Veranstaltung der Komischen Oper Berlin (buchbar bis 15. Juli 2018). Alternativ können sie sich die Karten bis spätestens 12. April 2018 kostenfrei erstatten lassen.

Ersatzvorstellungen

30. April, 19 Uhr
Anatevka
Mit Max Hopp (Tevje) und Dagmar Manzel (Golde)

5./9. Mai, 20 Uhr
»Farges mikh nit« – Vergiss mich nicht
Mit Helene Schneiderman (Mezzo), Alma Sadé (Sopran) und Barrie Kosky (Klavier)
Die jiddische Operette ist eine fast vergessene Gattung. Ihre Autoren und Komponisten, zum größten Teil aus Osteuropa stammend, emigrierten unter dem Druck der dortigen Pogrome Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA. Dort stellten sie dem noch in den Kinderschuhen steckenden amerikanischen Musical und der aus Europa importierten Operette ein drittes Genre gegenüber: die jiddische Operette. Ihre Lieder handeln nicht selten vom Exil, von Einsamkeit und Heimweh: »Wo du auch sein magst – farges mikh nit!« »Vergiss mich nicht!« – Unter diesem Titel erklingen Stücke von Joseph Rumshinsky, Alexander Olshanetsky, Sholom Secunda oder dem »jiddischen Shakespeare« Abraham Goldfaden. Das Programm war im Januar 2015 bereits in einer Spätvorstellung an der Komischen Oper Berlin und im Sommer 2017 an der Staatsoper Stuttgart zu erleben.

Bitte beachten Sie die veränderten Anfangszeiten am 30. April und 5. Mai.

Karten

Preise:
12 - 76 € (Anatevka, bei Neukauf)
10 - 33 € (»Farges mikh nit« – Vergiss mich nicht)
Kartentelefon (030) 47 99 74 00 | Mo bis Sa 9 bis 20 Uhr, So- und Feiertage 14 bis 20 Uhr
karten@komische-oper-berlin.de

www.komische-oper-berlin.de
09.01.2018

Calixto Bieito inszeniert Franz Schrekers »Die Gezeichneten« / Premiere 21.1.

Zwischen Psychoanalyse und Symbolismus, Thriller und Tabu
Premiere: Sonntag, 21. Januar 2018 | 18 Uhr

Nach Pelléas et Mélisande, Satyagraha und Anatevka wird mit Franz Schrekers Die Gezeichneten ein weiteres herausragendes Musiktheaterwerk des 20. Jahrhunderts an der Komischen Oper Berlin zu erleben sein. Eine Insel der Lust vor den Toren Genuas, verschwundene und missbrauchte Mädchen, ein körperlich und seelisch deformierter Kunstliebhaber – das sind die Zutaten des spätromantisch-psychologischen Meisterstücks. Schrekers Protagonisten sind auf der Suche nach Erlösung durch Liebe und Schönheit, verlieren sich aber in den Abgründen politischer Machtspiele und erotischer Exzesse. Regisseur Calixto Bieito setzt ein illustres Ensemble in Szene, darunter die international gefeierte Sopranistin Ausrine Stundyte in der weiblichen Hauptrolle, der englische Tenor Peter Hoare als tragischer, missgebildeter Held und das ehemalige Ensemblemitglied Michael Nagy als moralisch korrupter Gegenspieler. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Stefan Soltesz.

Die Gezeichneten von Franz Schreker wurde lange Zeit selten gespielt. In den 1920er-Jahren zählte der Österreicher mit Wirkungsstätte in Berlin zu den meistgespielten deutschsprachigen Komponisten, bevor ihn die nationalsozialistische Ideologie 1933 als »entarteten« Künstler zum Schweigen verdammte. Nach dem Krieg zunächst vergessen, erleben seine Werke seit einigen Jahren eine Renaissance. Selten behandelte eine Oper so explizit die Tabus einer Gesellschaft, gingen unterdrückte sexuelle Triebe und deren Sprengkraft mit so großem Sog in ein musiktheatralisches Werk ein – und selten beleuchtete ein Opernstoff so eindringlich menschliche Abgründe. In ihrer Modernität rührt Die Gezeichneten heute wie damals an brisante Themen: Worüber trauen wir uns nicht zu reden? Und wie gehen wir mit dem um, was dann doch an die Oberfläche des Schweigens dringt? In weit ausgreifenden Melodiebögen und experimentellen harmonischen Entwicklungen bis an den Rand der Tonalität gestaltet Franz Schreker schillernde Seelenporträts. Inspiriert durch Symbolismus und Psychoanalyse entfaltet er ein Musiktheater musikalischer und dramatischer Grenzüberschreitung. Seine Figuren sind buchstäblich voneinander Gezeichnete. Das 1918 uraufgeführte Werk bescherte Schreker seinen endgültigen Durchbruch und stellte ihn für die Zeitgenossen auf eine Stufe mit Richard Strauss.

Mit seiner Debütinszenierung an der Komischen Oper Berlin, Mozarts Die Entführung aus dem Serail, entfachte Calixto Bieito 2005 einen handfesten Opernskandal und sorgte auch mit seinen weiteren Arbeiten für starke, durchaus verstörende Bilder. In seiner achten Arbeit am Haus fragt er mit Die Gezeichneten nach den letzten Tabus des erotischen Begehrens in einer zügellosen und amoralischen Gesellschaft. Er inszeniert die Handlung in einer verdichteten Gegenwart, die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst und Kostümbildner Ingo Krügler gestalten.
29.12.2017

Positive Jahresbilanz 2017

Ausblick auf Januar 2018
Die Komische Oper Berlin blickt zurück auf die ersten vier, überaus erfolgreichen Monate ihrer Jubiläumsspielzeit »70 Jahre Zukunft Musiktheater«. Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky inszenierte zum Saisonauftakt mitreißend Pelléas et Mélisande und steuerte mit einer umjubelten Anatevka die erste Jubiläums-Neuproduktion bei. Weitere Höhepunkte waren Sidi Larbi Cherkaouis einzigartige Interpretation von Philip Glass’ Satyagraha und die erfolgreiche Uraufführung der deutsch-türkischen Kinderoper Die Bremer Stadtmusikanten | Bremen Mızıkacıları. Die künstlerisch vielfältige zweite Hälfte des Jahres 2017 wurde mit Märchen im Grand-Hotel als gelungener Auftakt zu einer neuen Serie konzertanter Operetten-Raritäten von Paul Abraham abgerundet. Auch die Besucherzahlen, bei denen das Haus gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs verbuchen kann, geben Anlass zur Freude. 

Im Kalenderjahr 2017 lag die Gesamtauslastung bei 87,4% (gegenüber 85,5% in 2017). Mehr als 213.300 Menschen besuchten die 241 Vorstellungen (201.953 bei 237 Vorstellungen in 2016). Neuproduktionen und Repertoire waren wieder gleichermaßen beliebt, mehr als die Hälfte aller Produktionen kamen auf 90% Auslastung oder mehr. Regelmäßig ausverkauft (mit einer durchschnittlichen Auslastung von mehr als 98%) waren die Produktionen Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, Anatevka, Satyagraha, Die Zauberflöte, My Fair Lady und Die Perlen der Cleopatra.

Am 21. Januar steht mit Die Gezeichneten von Franz Schreker in der Regie von Calixto Bieito die erste Premiere des noch jungen Jahres auf dem Spielplan. Der katalanische Regisseur inszeniert bereits zum achten Mal an der Komischen Oper Berlin. Im Januar kehren außerdem Mozarts Don Giovanni in der Kultinszenierung von Herbert Fritsch (6.1.), Straus’ Die Perlen der Cleopatra von Barrie Kosky mit Dagmar Manzel in der Titelpartie (31.1.) sowie die Kinderoper Schneewittchen und die 77 Zwerge (25.1.) auf den Spielplan zurück.

10.11.2017

Barrie Kosky inszeniert ANATEVKA / Premiere: 3.12.

Komische Oper Berlin präsentiert Musical-Neuproduktion zum 70. Geburtstag

Premiere: Sonntag, 3. Dezember 2017 | 18 Uhr

Anlässlich des 70. Geburtstags der Komischen Oper Berlin bringt Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky nach seiner triumphalen West Side Story nun eines der bedeutendsten Musicals der Welt zurück auf die Bühne an der Behrenstraße – und erfüllt sich gleichzeitig einen persönlichen Wunsch. In der Inszenierung von Walter Felsenstein war Anatevka unter dem Titel Der Fiedler auf dem Dach mit mehr als 500 Vorstellungen die erfolgreichste Produktion am Haus überhaupt.
 
Musicalneuproduktion in der Tradition des Hauses

Die wahrscheinlich lebensbejahendsten Liebesverwicklungsheiratstragikomödie des 20. Jahrhunderts: Anatevka schildert Humor und Leid herzergreifender Figuren im jüdischen Schtetl Anatevka zwischen (Über-)Lebensfreude und Katastrophe. Rund um den armen Milchmann Tevje erzählt das Stück eine zeitlose Geschichte über Tradition und Gemeinschaft, Familie und Liebe, über persönliche Lebensentscheidungen, Heimat und drohende Entwurzelung vor dem historischen Hintergrund von Pogromen und Vertreibung im Osteuropa des frühen 20. Jahrhunderts.

Für den Intendanten Barrie Kosky gehört das Stück seit Walter Felsensteins Inszenierung von 1971 mit über 500 Aufführungen bis 1988 zur Tradition der Komischen Oper Berlin – für den Regisseur Kosky ist die Neuproduktion die Erfüllung eines persönlichen Traums, denn auch seine Familie ist einst von Osteuropa nach Australien ausgewandert. »Anatevka ist ein Theaterstück über den Verlust eines Zuhauses und die Suche nach einem (neuen) Platz in der Welt. Diese Frage beschäftigt uns heute und hat viele Generationen vor uns beschäftigt; sie ist ein Teil des Menschseins schlechthin. Daher kann sich jeder Zuschauer mit den Figuren in Anatevka identifizieren«, fasst der Intendant und Chefregisseur Aktualität und Relevanz des Stücks zusammen. Max Hopp in der tragenden Hauptrolle als Tevje und Dagmar Manzel als seine zeternde Ehefrau Golde führen ein hochkarätiges Ensemble an. Wie schon bei West Side Story liegt die Musikalische Leitung in den Händen von Musicalspezialist Koen Schoots, für die Choreografien zeichnet erneut Otto Pichler verantwortlich. Gemeinsam mit Rufus Didwiszus (Bühne) und Klaus Bruns (Kostüme) schlägt Kosky eine magisch-realistische Brücke von der Gegenwart in ein metaphorisches osteuropäisches Schtetl um 1905 – in eine facettenreiche Erinnerung an die Vergangenheit, in der Anatevka spielt.

Das Buch zu Anatevka, im englischen Original Fiddler on the Roof, verfasste Joseph Stein nach Motiven aus den berühmten jiddischsprachigen Erzählungen von Scholem Alejchem, die zwischen 1894 und 1916 unter dem Titel Tewje, der Milchmann entstanden. Jerry Bock schuf – mit mehr als 3.000 Aufführungen allein am Broadway – eines der erfolgreichsten, aber auch tragischsten Meisterwerke des Genres, mit Songs und Nummern zwischen typischem Broadway-Musicalsound, schwungvollen Tanzrhythmen und folkloristischen Melodien.

Fortsetzung der Jubiläumsfeierlichkeiten »70 Jahre Zukunft Musiktheater«

Anatevka ist die erste von zwei Neuproduktionen in der Spielzeit 2017/18, mit denen die Komische Oper Berlin ihren 70. Geburtstag begeht und die an das Vermächtnis Walter Felsensteins erinnern. Als zweite Neuproduktion stellt Stefan Herheim am 17. März 2018 seine Lesart eines weiteren Stücks vor, das in der Inszenierung von Felsenstein im Haus an der Behrenstraße und darüber hinaus legendäre Erfolge feierte: Jacques Offenbachs Operette Blaubart.

Vor und nach der Premiere von Anatevka am 3. Dezember feiert die Komische Oper Berlin ihren 70. Geburtstag: Am Nachmittag findet eine Podiumsdiskussion zum Thema »70 Jahre Zukunft Musiktheater« mit Barrie Kosky (Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin), Thomas Flierl (Berliner Kultursenator a. D.), Andreas Kleinert (Filmregisseur, Grimme-Preisträger), Julia Spinola (Journalistin) und Ethel Matala de Mazza (Literaturwissenschaftlerin) statt, moderiert von Knut Elstermann (Moderator, Radio Eins). Im Anschluss an die Premiere legt DJ Ipek bei der großen Geburtstagsparty auf – Sekt und Geburtstagskuchen inklusive! Der Eintritt zu Podiumsdiskussion und Geburtstagsparty sind frei.

Der Geburtstag der Komischen Oper Berlin jährt sich offiziell einen Tag vor Heiligabend. Das Haus wurde am 23. Dezember 1947 eröffnet, auf dem Spielplan stand Die Fledermaus von Johann Strauss. Während der Spielzeit 2017/18 wird das Jubiläum mit diversen Veranstaltungen begangen. Weitere Informationen zur Jubiläumsspielzeit unter https://www.komische-oper-berlin.de/presseservice/pressefotos_informationen/70jahrejung/

Premiere: Sonntag, 15. Oktober 2017 | 18 Uhr

Zum Saisonauftakt der Jubiläumsspielzeit »70 Jahre Zukunft Musiktheater« inszeniert Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky erstmals in der Geschichte des Hauses Claude Debussys Pelléas et Mélisande, einen Meilenstein des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts, und hat dafür im Ensemble eine ideale Besetzung gefunden. Anlässlich der Premiere, die live und kostenlos im Internet gestreamt wird, wird eine digitale Ausstellung über die vergangenen 70 Jahre des Hauses an der Behrenstraße eröffnet.
 
Pelléas und Mélisande – Ein psychologisches Kammerspiel von Meisterhand

»Ne me touche pas!« – »Fass mich nicht an!« Die fragile Geschichte der Liebe zwischen dem jungen Prinzen Pelléas und der weltverlorenen Mélisande, die mit Pelléas’ Bruder Golaud vermählt ist, gewährt einen tiefen Blick in die Verstrickungen beschädigter menschlicher Seelen. In feinsten Klangfarben schildert Claude Debussy basierend auf einem Text des Nobelpreisträgers Maurice Maeterlinck eine tragische Dreiecksgeschichte und entführt den Zuschauer in eine poetisch-melancholische Welt von tiefer Verlorenheit und Sehnsucht nach erfüllender Nähe. Barrie Kosky, der sich nach seinem Bayreuth-Erfolg mit Die Meistersinger von Nürnberg in seinen neuen Regiearbeiten in dieser Spielzeit ausschließlich auf die Arbeit in Berlin konzentriert, blickt in die ahnungsvollen Abgründe der menschlichen Psyche, die sich in dem symbolistischen Meisterwerk auftun. Die Musikalische Leitung übernimmt Jordan de Souza, frischgebackener Kapellmeister am Haus, einer der talentiertesten Dirigenten der jüngeren Generation. Nadja Mchantaf, die im letzten Jahr als Cendrillon, Tatjana und Rusalka die Herzen des Berliner Publikums eroberte, ist als Mélisande an der Seite von Dominik Köninger (Pelléas) und Günter Papendell (Golaud) zu erleben.

Barrie Kosky konzentriert sich in seiner Inszenierung in französischer Sprache auf das Wesentliche: Wie durch ein Vergrößerungsglas gibt er das Innerste seiner Figuren dem Blick – und dem Ohr – des Publikums preis. Klaus Grünbergs minimalistisch-melancholisches Bühnenbild, in dem die Protagonisten schicksalshaft aufeinander zu- und voneinander wegdriften, schafft immer neue und überraschende Raum- und Figurenkonstellationen. Es entspinnt sich ein Drama, in dem das Wesentliche ungesagt bleibt und das so seine verhängnisvolle Macht mit voller Wucht entfalten kann. Mit Klaus Grünberg arbeitete Kosky bereits mehrfach erfolgreich zusammen, in Berlin zuletzt für Moses und Aron, für Macbeth am Opernhaus Zürich und für Die Nase (Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin) am Londoner Royal Opera House. Erstmals im künstlerischen Team dabei: die Kostümbildnerin Dinah Ehm, die zuletzt an der Stuttgarter Staatsoper Armin Petras’ Operndebut begleitete.

Digitale Ausstellung und Streaming

Anlässlich der Premiere wird die digitale Jubiläumsausstellung präsentiert, die das Haus in Kooperation mit dem Studiengang Europäische Medienwissenschaft der Fachhochschule und Universität Potsdam erarbeitet. Ziel dieser Ausstellung auf der Homepage der Komischen Oper Berlin ist es, jenseits von einer detaillierten Chronologie der letzten 70 Jahre die Philosophie und die inhaltliche Ausrichtung des Hauses schlaglichtartig zu betrachten und dabei – dem Motto »70 Jahre Zukunft Musiktheater« entsprechend – eine Brücke in die Gegenwart bzw. Zukunft zu schlagen.

Die Ausstellung ist ab 15. Oktober unter www.komische-oper-berlin.de online.
Weitere Informationen zur Jubiläumsspielzeit  

Die Premiere von Pelléas et Mélisande wird über die Homepage des Hauses live gestreamt. Weitere geplante Streaming-Termine in der Spielzeit 2017/18 sind Jacques Offenbachs Blaubart (Regie: Stefan Herheim) am 17. März 2018 sowie Georg Friedrich Händels Semele (Regie: Laura Scozzi) am 12. Mai 2018.

Klassische deutsche Fabel trifft auf kulturelle Vielfalt. – Am 24. September wird die einzigartige Kinderopern-Tradition der Komischen Oper Berlin fortgeschrieben: Das Ensemble präsentiert unter der Musikalischen Leitung von Kapellmeister Ivo Hentschel ein brandneues Auftragswerk des Hauses für die jüngsten Besucher*innen, das geradezu auf Berlin und seine bunte Kultur zugeschnitten ist: In Die Bremer Stadtmusikanten | Bremen Mızıkacıları aus der Feder des türkischen Komponisten Attila Kadri Şendil und des Librettisten Ulrich Lenz erscheinen die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen und Stile als selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags – der beiläufige Wechsel zwischen zwei Sprachen ebenso wie die musikalische Bandbreite von großer Oper über Jazz bis hin zu volksliedähnlichen Nummern. Die Regie übernimmt der junge Regisseur Tobias Ribitzki, der zuletzt unter anderem mit seiner Inszenierung von Der Liebestrank an der Staatsoper Hannover überzeugte und der Komischen Oper Berlin als langjähriger Regieassistent und Spielleiter verbunden ist.

Die Kinderoper erzählt in neuem Gewand die berühmte Grimm’sche Fabel, die auch in der Türkei populär ist: Vier Vertriebene – Esel, Hund, Katze und Hahn (Carsten Sabrowski, Adrian Strooper, Katarzyna Włodarczyk und Andromahi Raptis) nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und erfahren, um wieviel stärker man als Gruppe ist. Schöpfer der neuen deutsch-türkischen Kinderoper ist der türkische Komponist Attila Kadri Şendil. Aus İzmir stammend, hat er in İstanbul, Paris und Memphis/USA Klarinette und Komposition studiert und lehrt heute an der Akdeniz Üniversitesi in Antalya. Obwohl auf orientalischen Tonsystemen fußend, klingt seine stilistisch sehr weit gefasste Musik auch dem westeuropäischen Hörer überaus vertraut. Während türkische Instrumente wie Zurna, Bağlama, Ud und Kanun das Orchester um neue Klangfarben bereichern, fließen in Şendils Vertonung unterschiedlichste musikalische Quellen zusammen.

Die Komische Oper Berlin blickt auf eine im deutschsprachigen Raum einzigartige Tradition zurück: Seit weit mehr als zehn Jahren präsentiert sie in jeder Spielzeit eine neue große Kinderopernproduktion gleichwertig neben den übrigen Produktionen im Großen Saal, darunter regelmäßig Uraufführungen. In der Spielzeit 2017/18 steht neben der neuen Kinderoper ab   25. Januar 2018 Schneewittchen und die 77 Zwerge als Wiederaufnahme auf dem Spielplan.

Das traditionelle Kinderfest zum Spielzeitbeginn findet dieses Jahr am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) statt. Für alle Opernfreund*innen ab 4 Jahren bietet sich ein buntes Spektakel rund um die neue Kinderoper.

Die Uraufführung wurde finanziell unterstützt durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung, die Karl Schlecht Stiftung sowie den Förderkreis Freunde der Komischen Oper Berlin.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der vollständigen Meldung zum Download.
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