Calixto Bieito

Regisseur
Calixto Bieito kam in Mirando de Ebro (Burgos) zur Welt. Seine künstlerische Laufbahn profilierte sich, als er 1999 bis 2009 das Teatre Romea in Barcelona leitete. 2010 bis 2012 organisierte er das Festival Internacional de las Artes de Castilla y León und das Barcelona Internacional Teatre (bit), eine weltweite Plattform für Projekte von Künstlern und Bühnen. Bretóns Zarzuela La verbena de la Paloma am Teatro Tivoli in Barcelona (1996) war seine erste Arbeit für das Musiktheater, gefolgt von Schönbergs Pierrot Lunaire am Teatre Lliure in Barcelona (1998).

Shakespeares Macbeth bei den Salzburger Festspielen 2001 und Mozarts Don Giovanni, von der Oper Hannover 2002 ko-produziert mit der ENO London und dem Theater Liceu in Barcelona, folgte eine weithin skandalisierte Inszenierung von Mozarts Die Entführung aus dem Serail an der Komischen Oper Berlin (2004). Diese Produktionen begründeten seinen Ruhm als einer der europaweit führenden Regisseure. Zugleich gefeiert und verdammt, schockierte er durch theatralische Visionen von Grausamkeit und Sexualität aus einem Geist der Gegenwärtigkeit.

Calixto Bieitos inszenatorische Arbeit hat sich im Laufe der Jahre verfeinert und vertieft. Seine jüngere Werkliste enthält Zimmermanns Die Soldaten in Zürich und der Komischen Oper Berlin (2013), Parras Wilde in Schwetzingen (2014), Wagners Tannhäuser in Flandern (2015), Purcells The Fairy Queen in Stuttgart, Reimanns Lear in Paris, Halevys La Juive in München (2016), Puccinis Tosca in Oslo, Verdis Otello in Hamburg, Bizets Carmen in Paris, Xenakis’ Oresteia in Basel, Prokofjews Der feurige Engel in Zürich, Berlioz’ Les Troyens in Nürnberg. Kommende Arbeiten sind Monteverdis Missa di Requiem in Hamburg und L’incoronazione di Poppea in Zürich.

Calixto Bieito ist von der Baseler Kulturstiftung Pro Europa 2009 mit dem Europäischen Kulturpreis und 2012 mit dem italienischen Franco Abbiati Preis ausgezeichnet worden. 2014 folgte die spanische Würdigung durch die Premios Líricos Campoamor in Oviedo. Seit 2017 ist Calixto Bieito Künstlerischer Direktor des Teatro Arriaga in Bilbao.
Der Tagesspiegel
Udo Badelt, 03.03.2015
Blut klebt an allen Wänden
»Wie sich Saks und Stundyte einen existentiellen Kampf liefern, ist sensationell.«

Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 03.03.2015
Dauergewimmel mit Musik
»Beide Einakter spitzt Bieito erwartungsgemäß krass zu.  … Jenseits der extremen szenischen Zuspitzungen geht von diesem Blaubart eine hypnotische Macht aus, diesem Albtraum voller symbolischer Angebote, ein Seelenstriptease, ein Kampf um den Besitz des jeweils anderen.«

inforadio.de
Barbara Wiegand, 02.03.2015
Blaubarts Burg und Gianni Schicchi in der Komischen Oper
»Die eine Oper voll schwarzen Humors - die andere abtauchend in düstre Seelentiefen. Die beiden nun zusammenzubringen - noch dazu ohne Pause, direkt aufeinander zu spielen - das ist gewagt - und am Ende durchaus gewonnen.«

rbb kulturradio
17.06.2014
Komische Oper Berlin: »Die Soldaten«
»Ein Höhepunkt der Saison. [...] Gut gemacht, Calixto!«
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Der Tagesspiegel
Christine Lemke-Matwey, 31.01.2012
"Der Freischütz": Schlacht in der Wolfsschlucht
»Seit Jahren stand einem diese Partitur nicht mehr so plastisch vor Ohren, so aller klanglichen Drolligkeiten und Betulichkeiten entkleidet, so trocken, mürbe und roh. Das ist, in erster Linie, das Verdienst von Patrick Lange und dem Orchester der Komischen Oper, die gleich in der Ouvertüre ein Spektrum an Farben der Finsternis auflegen, das man kaum für möglich gehalten hätte. Dabei geht es Lange nicht um Licht und Schatten, um die harten Kanten und Scherenschnitteffekte eines „psychologischen Thrillers“ (so der Untertitel des Abends). Vielmehr taucht er – wie auch Rebecca Ringsts auratisches Einheitsbühnenbild – das Ganze ins Zwielicht und in jene Dämmerung kurz vor Einbruch der Dunkelheit, in der nicht mehr der Mensch die Welt betrachtet, sondern die Welt den Menschen. Und Franck Evins meisterliche Lichtgestaltung mit ihren fahlen, gebrochenen Silber- und Bronzetönen verstärkt diese Wahrnehmung noch, weitet sie ins Synästhetische hinein. (...)
Die großen Ensembles, das Terzett »Oh, diese Sonne« aus dem ersten Akt oder das Finale »Schaut, o schaut! Er traf die eig’ne Braut!«, sind ergreifende Höhepunkte, richten sich nicht zuletzt dank des von André Kellinghaus so differenziert und sensibel einstudierten Chores wie klingende Klagemauern auf.
Großartig sind die szenischen Übergänge, die der katalanische Regisseur schafft: Wenn Ännchen und Agathe, kaum dass des bösen Kaspars Rachearie den ersten Akt beschlossen hat, mit einer Handvoll Luftballons und im karnevalistischen Miss-Piggy-Outfit (sehr überlegt: das Kostümbild von Ingo Krügler) von weit hinten die Bühne entern, glucksend, kichernd, stolpernd. Auch Junggesellinnenabschiede können blöde sein. Oder wenn das Setting der Wolfsschlucht zunächst nicht mehr verlangt als ein paar schummrige Schnapsflaschenlichter, die Kaspar im Kreis aufstellt. Das Wilde, Monströse, Anti-Zivilisatorische, es wohnt ganz unspektakulär mitten unter uns. Max, der für den Rest des Abends splitterfasernackt zwischen den Baumstämmen herumturnt wie ein zu groß geratenes Wolfskind, und der zum Schluss selbst erschossen wird. Weil kein Eremit, kein Glaube, keine Liebe und keine Hoffnung ihn erlösen kann, solange er es nicht selbst tut. Was für eine Botschaft.«
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