Franz Schreker

Die Gezeichneten

Oper in drei Akten [1918]
Deutsch
3 h inkl. Pause
Jan 2018
Jul 2018
18:00 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
18:00 Uhr
19:30 Uhr
Eine Insel der Lust vor den Toren Genuas, verschwundene und missbrauchte Kinder der höheren Gesellschaft, ein körperlich deformierter Mäzen – das sind die Ingredienzien von Franz Schrekers Die Gezeichneten. Also: nichts für schwache Nerven – ein Psycho-Thriller der Extraklasse! Starregisseur Calixto Bieito, die international gefeierte Sopranistin Ausrine Stundyte, Peter Hoare und das einstige Ensemblemitglied Michael Nagy, mittlerweile an allen großen Opernhäusern zuhause, mit einem modern-psychologischen Meisterwerk.
Mit seiner Inszenierung von Mozarts Die Entführung aus dem Serail im Jahr 2005 an der Komischen Oper Berlin entfachte Calixto Bieito eine intensive Theaterdiskussion und sorgte auch mit seinen weiteren Arbeiten – darunter Madame Butterfly, Armida und Der Freischütz – für starke, durchaus verstörende Bilder. Nun fragt er mit Franz Schrekers Meisterwerk nach den letzten Tabus des erotischen Begehrens in einer zügellosen und a-moralischen Gesellschaft.
Sein Lebtag ist er von Missbildung gezeichnet. Wie zum Trotz verkündet der missgestaltete Edelmann Alviano Salvago: »Die Schönheit sei Beute des Starken!« Dieses Motto seines Lebenswerks wird sein Unheil werden. Das von ihm kreierte künstliche Paradies will er den Mitbürgern Genuas schenken: die Insel »Elysium«. Doch was hat es auf sich mit den spurlos verschwundenen Kindern? Warum wehren sich Alvianos Freunde gegen sein Vorhaben? Alviano gerät ins Inferno emotionaler Wirrnis und politischer Ränke. Im Zentrum steht das abgründige Geheimnis seines Lebens ...
In weit ausgreifenden Melodiebögen und experimentellen harmonischen Entwicklungen bis an den Rand der Tonalität gestaltet Franz Schreker in seinem 1918 uraufgeführten Werk schillernde Seelenporträts. Inspiriert durch Symbolismus und Psychoanalyse entfaltet der zu Lebzeiten meistgespielte, ab 1933 dann als »entartet« diffamierte deutsche Komponist ein Musiktheater musikalischer wie dramatischer Grenzüberschreitung. Seine Figuren sind buchstäblich voneinander Gezeichnete. In der Regie des Großmeisters der Ausdeutung menschlicher Seelenqualen und unter der musikalischen Leitung des international erfolgreichen Dirigenten Stefan Soltesz verlieren sich die Protagonisten auf der Suche nach Erlösung durch Liebe und Schönheit in den Abgründen politischer Machtspiele, ungeheuerlichen Verrats und erotischer Exzesse.
Dichtung vom Komponisten
Do., 1. Februar 2018, 19:30 Uhr

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Dramaturgie
Licht
Franck Evin

Besetzung

Herzog Antoniotto Adorno
Graf Andrae Vitelozzo Tamare
Lodovico Nardi, Podestà der Stadt Genua
Carlotta Nardi, seine Tochter
Alviano Salvago, ein genuesischer Edelmann
Guidobald Usodimare
Menaldo Negroni
Michelotto Cibo
Gonsalvo Fieschi
Julian Pinelli
Paolo Calvi
Il Capitaneo di Giustizia
Ginevra Scotti
Martuccia, Haushälterin bei Salvago
Ein Mädchen
Ein Jüngling

Das Programmheft zum Blättern ...

Süddeutsche Zeitung
Wolfgang Schreiber, 24.01.2018
Wir fahrn, fahrn, fahrn in der Geisterbahn
»Gerade die Hypertrophie von Schrekers oszillierender Orchestersprache kann Stefan Soltesz mit dem Orchester der Komischen Oper durch die klare Disposition und einen sensiblen Umgang mit arrangierten Klängen grandios bewältigen.«
Zur Kritik
Berliner Morgenpost
Volker Blech, 23.01.2018
Tatort Kinderspielplatz
»Ausrine Stundyte ist als Carlotta ein wunderbar wandlungsfähiger Sopran, der alle Schattierungen zwischen Vamp, Verzweifelter und schrill Aufbegehrender herüberbringen kann. Bieito lässt sie am Ende ihren Peiniger ermorden. Was Schreker so nicht im Sinn hatte. Bariton Michael Nagy vermag dem lüsternen Grafen Tamare stimmlich wie darstellerisch ein Format des Herzogs in ›Rigoletto‹ zu geben. Peter Hoare muss hingegen den hadernden Alviano in die tenorale Innerlichkeit zurücknehmen. Das gelingt ihm überzeugend. Die Sängerschar ist bis in die Nebenrollen gut besetzt.«

taz - Die Tageszeitung
Niklas Hablützel, 23.01.2018
In Männerwelten
»Bieitos Pointe ist radikal. Männer wollen nicht erwachsen werden, sie schänden lieber Kinder – und bei ihm dürfen es der Aktualität wegen auch Jungen sein. Alarmierend gutes Theater ist das auf jeden Fall ...«
Zur Kritik
Bayerischer Rundfunk
Peter Jungblut, 21.01.2018
Teuflischer Garten der Lüste: »Die Gezeichneten« in Berlin
»Unter den Solisten glänzte vor allem Bariton Michael Nagy als maskuliner Draufgänger Graf Andrae, der keine Skrupel kennt, …«
Zur Kritik
Deutschlandfunk Kultur, Fazit
Uwe Friedrich, 21.01.2018
Psycho-Thriller: Schrekers »Die Gezeichneten« an der Komischen Oper
»Ich kann mich nicht erinnern, das Orchester der Komischen Oper so großartig gehört zu haben, so farbenreich, so sinnlich, so klug strukturiert … Wie Soltesz diese Musik umsetzt, wie gesungen wird: absolut hinreißend … Deswegen ist die große Empfehlung: hingehen, um diese Musik zu hören.«
Zur Radio-Kritik

Danke Dr. Marshall E. Kavesh und Martin Laiblin