Kinderkonzert 6: Peter und der Wolf

Ein musikalisches Märchen von Sergej S. Prokofjew in deutscher und arabischer Sprache
Jun 2019
11:00 Uhr
ab 4 Jahren

»Doch Peter hat gar keine Angst«

Peter und der Wolf von Sergej S. Prokofjew

Wie musiktheaterpädagogische Arbeit Kindern
ungeahnte Räume öffnen kann
Am Anfang stehen offene Ohren für unbekannte Klänge. Die Charaktere betreten den Raum: Peter, Ente, Großvater, Vogel, Katze, der Wolf und die Jäger. Sie alle haben ihren eigenen Platz in der Phantasie der Kinder. Jedes Kind findet eine eigene Geschichte und sich selbst mittendrin: Bin ich ein Peter oder ein Großvater? Lieber unschuldige Katze? Oder gehe ich auf Nummer sicher, bin Jäger und habe das Gewehr auf meiner Seite? Dabei verhandeln die Grundschüler*innen gemeinsam mit Sarah Görlitz, Musiktheaterpädagogin an der Komischen Oper Berlin, einmal in der Woche spielerisch elementare Fragen ihres Menschseins.
© Aurelio Schrey
© Aurelio Schrey
Entdecken und Erobern
Bei einem ersten Besuch in unserem Haus werden die gelernten Worte lebendig und die Kinder entdecken nicht nur die Instrumente, die sie bislang nur von Bildern und aus dem Lautsprecher kennen, sondern sie fragen den Musiker*innen Löcher in den Bauch, streicheln die plüschigen Sitze im Zuschauerraum, bestaunen den riesigen Kronleuchter darüber, stromern durch die Gänge und erforschen die Umbauarbeiten auf der Bühne.
© Aurelio Schrey
© Aurelio Schrey
Der große Moment
Erst am Schluss der kreativen Arbeit über acht Monate fügen sich die Puzzleteile bei einer zweisprachigen Aufführung (Arabisch und Deutsch) in der Komischen Oper Berlin für die gesamte Grundschule zusammen. Die Kinder der Willkommensklassen sind inzwischen wahre Expert*innen für dieses Stück, das sie im Vorfeld des Besuches den Mitschüler*innen erklären. So öffnen die Willkommensklassen den Regelklassen und allen Eltern die Tür zu einem gemeinsamen Besuch des Opernhauses. Und auch dann ist die Reise noch nicht zu Ende: Mit einer CD für alle Schüler*innen der Schule kann die Geschichte zuhause weitererzählt werden – entweder vom Arabisch und Deutsch sprechenden Erzähler, oder die Kinder und ihre Familien erzählen selbst.
© Aurelio Schrey
© Aurelio Schrey
Aus der Oper mitten in die Gesellschaft
Die Musiktheaterpädagogin Anne-Kathrin Ostrop hat dieses Konzept für Willkommensklassen entwickelt: »In unserer Arbeit erleben wir oft erstaunliche Verwandlungen – es steckt eine unglaubliche Kraft in den Kindern, wenn sie sich in unserer gemeinsamen Arbeit gesehen und ernstgenommen fühlen und sie gewinnen an Vertrauen, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.« berichtet Ostrop über die Erfahrungen der ersten beiden Jahre. Die Sozialpädagog*innen der Schule nehmen die Impulse dieser Erfahrungen mit in die weitere Arbeit auf und bestätigen, dass die Kinder
im Projekt spielerisch für ihr Leben gelernt haben. Und auch die Musiker*innen unseres Hauses nehmen die Erfahrungen mit in unser Orchester und in ihren Freundeskreis.
Hintergrund
Im Herbst 2018 geht das Willkommensklassenprojekt der Komischen Oper Berlin in seine dritte Saison. Die Schüler*innen nähern sich einerseits einem klassischen Stoff des westlichen Kinderkonzertrepertoires und finden andererseits künstlerische Wege, die eigene Lebensgeschichte zu erzählen, die deutsche Sprache zu lernen und ihren Körper als Kommunikations- und Ausdrucksmittel zu entdecken. Die Komische Oper Berlin führt dieses Projekt pro Spielzeit in allen Willkommensklassen einer Berliner Schule durch. Ausführliches Unterrichtsmaterial mit u.a. auch Partituren für Schulorchester und entsprechende Workshops für Erzieher*innen und Lehrer*innen sind in Planung.
Die Förderer: Sinnstiftende Stiftungen
Die Heinz und Heide Dürr Stiftung und die Karl Schlecht Stiftung machen das Projekt »Peter und der Wolf« durch ihre großzügige Unterstützung möglich. Beide Stiftungen haben sich zum Ziel gesetzt durch ihre zahlreichen Förderprojekte die Zukunft unserer Gesellschaft mitzugestalten. »Eine Gesellschaft kann auf Dauer nur funktionieren, wenn sich ihre Mitglieder für sie engagieren« so fasst Heinz Dürr dieses Engagement in Worte. Und Dr. Katrin Schlecht, Vorstand der Karl Schlecht Stiftung, hebt hervor, dass Menschen insbesondere durch kreative Entwicklungschancen lernen, Vertrauen in sich und ihre Problemlösungsfähigkeit zu gewinnen.

Gefördert von

Ein offenes Haus für eine offene Gesellschaft
Die Komische Oper Berlin versteht sich als offenes Haus für alle Bürger*innen der Stadt. Schon seit langem gibt es zu jeder Aufführung deutsche, englische, französische und türkische Untertitel. Selam Opera! überrascht im Flughafen oder in Markthallen die Berliner*innen und das Projekt Abenteuer Oper! verbindet Grundschulkinder und Senior*innen kulturell. Ausgewählte Vorstellungen kann man sich über den Livestream zuhause auf dem Sofa ansehen und die Eintrittspreise für einen Besuch sind erschwinglich gestaltet.
»Künstlerische Vielfalt gehört zur Komischen Oper Berlin wie gesellschaftliche Vielfalt zur Stadt Berlin. Beides hängt miteinander zusammen. Um künstlerisch frei und offen zu sein, benötigt man eine offene Gesellschaft und umgekehrt. Daher ist es mir und der Komischen Oper Berlin wichtig, uns gemeinsam mit anderen Akteur*innen in Berlin für künstlerische und gesellschaftliche Vielfalt einzusetzen. Denn sie ist – wie wir alle gerade erleben – keine Selbstverständlichkeit.« Barrie Kosky (Intendant und Chefregisseur Komische Oper Berlin)