Meisterkurs für Opernregie

mit Barrie Kosky
Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin
Barrie Kosky - hier bei den Proben für Jewgeni Onegin im Januar 2016 © Jan Windszus Photography
Barrie Kosky - hier bei den Proben für Jewgeni Onegin im Januar 2016 © Jan Windszus Photography
Während es in der Ausbildung von Musiker*innen und Sänger*innen gang und gäbe ist, sogenannte Meisterkurse (meist mehrtägige Workshops) zu besuchen, in denen erfahrene Musiker*innen ihr Wissen an den Nachwuchs weitergeben, ist dies im Bereich Regie eher eine Seltenheit. Genau wie beim Singen und Musizieren bildet auch beim Regieführen ein fundiertes handwerkliches Können eine wichtige Basis für gültige künstlerische Ergebnisse. Seit ihrer Gründung im Jahre 1947 durch den Regisseur Walter Felsenstein wird an der Komischen Oper Berlin der Regie trotz wechselnder ästhetischer Vorzeichen stets ein besonderes Gewicht beigemessen. Somit erscheint das Haus als Austragungsort für solch einen Meisterkurs in Sachen praxisnaher Regie als geradezu prädestiniert.

In ihrer Jubiläumsspielzeit 2017/18 hat die Komische Oper Berlin erstmals drei Nachwuchsregisseur*innen zu einem fünftägigen Regie-Meisterkurs mit Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky eingeladen (16. bis 20. Mai 2018). In der Saison 2019/20 wird der nächste Meisterkurs stattfinden. Die Bewerbungsmodalitäten werden dann hier bekannt gegeben!

Die drei Meisterschülerinnen
der Saison 2017/18

Béatrice Lachaussée

Natalia Kozłowska

Kai Anne Schuhmacher

Die Opernregisseurin Béatrice Lachaussée ist in Paris geboren und aufgewachsen. Sie studierte Philosophie an der Sorbonne, später dann Musiktheater-Regie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. 2013 gab sie ihr Regie-Debüt mit der Welturaufführung der Oper Biedermann und die Brandstifter von Šimon Voseček an der Neuen Oper Wien. Ihre Inszenierung von Wolfgang Rihms Oper Jakob Lenz inder Trinitatiskirche der Oper Köln gewann den Götz-Friedrich Studio-Preis 2014 für die beste Kammeropern-Inszenierung im deutschsprachigen Raum. Daraufhin folgten Regieengagements am Luzerner Theater (Béatrice et Bénédict), am Theater Aachen (Die verkaufte Braut) und an der Oper Köln (L’heure espagnole/ L’enfantet les sortilèges). In der nächsten Spielzeit wird Béatrice Lachaussée Puccinis Madama Butterfly am Stadttheater Bremerhaven inszenieren.
Béatrice Lachaussée über den Meisterkurs: »Der Meisterkurs der Komischen Oper Berlin bietet eine wunderbare Gelegenheit, die eigene Regiemethode beim Proben unter der konzentrierten Beobachtung und durch die scharfe Analyse von Barrie Kosky zu verfeinern. Im Mittelpunkt steht die Personenführung, und es wird mit hervorragenden Sänger*innen des Ensembles gearbeitet. Auf eine wertschätzende Art und Weise gelingt es Barrie Kosky, kostbare Regiewerkzeuge zu vermitteln: ein durchaus inspirierender Austausch!«
Natalia Kozłowska studierte an der A. Zelwerowicz Warschauer Theaterakademie Regie. Sie war Regieassistentin an der Polnischen Staatsoper in Warschau, wo sie unter anderem mit M. Treliński und B. Wysocka gearbeitet hat. Mit einer Inszenierung von Dido and Aeneas von H. Purcell debütierte sie als Regisseurin. Es folgten 16 Opernproduktionen, unter anderem: A. Vivaldis Farnace (im königlichen Theater Warschau), vier G. Puccini-Opern: Le Villi, Gianni Schicchi, Suor Angelica und Il tabarro (an der Baltischen Oper Danzig), A. Schönbergs Pierrot Lunaire (Center for Contemporary Art in Warschau), S. Rachmaninoffs Francesca da Rimini, L. Różyckis Eros i Psyche (an der Baltischen Oper Danzig), G.F. Händels Agrippina und (im königlichen Theater Warschau), Pasticcio Baroque Living Room (an der Königlichen Philharmonie in Warschau), J. P. Rameaus Ballett-Akt Pygmalion (für die Kammer Oper Warschau) und die Ballettoper Les Indes galantes (an der Opera Nova in Bydgoszcz). Im Jahr 2014 hospitierte sie bei Luc Bondys Produktion Les Fausses Confidences von P. de Marivauxes am Théâtre national de l'Europe. Ihre Darbietung von G. F. Händels Agrippina wurde 2015 in der Kategorie Aufführung des Jahres für den Koryfeusz-Preis nominiert.
Natalia Kozłowska über den Meisterkurs: » Die von der Komischen Oper Berlin veranstaltete Meisterklasse bietet jungen Operndirigenten die seltene Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und dem wahren Meister dieser Kunstform zu begegnen – Barrie Kosky. Unter seiner Anleitung zu arbeiten, gab mir die Chance, meine Methoden zu überdenken und meine Stärken und Schwächen herauszufinden. Barrie Kosky ist wirklich daran gelegen, seine Erfahrung weiterzugeben, er weiß, wie wichtig es für Anfänger ist, ihr Können zu verbessern, und sein Rat war eine Erleuchtung. Durch diese Meisterklasse konnte man auch als Insider erleben, wie die Komische Oper funktioniert – ein wirklich inspirierendes Abenteuer.«
Nach einem abgeschlossenen Studium in Musikwissenschaft an der Universität Bayreuth und der Università degli Studi di Ferrara begann Kai Anne Schuhmacher 2011 ihr Regiestudium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, das 2014 mit einem Diplom abschloss. Bereits während des Studiums arbeitete Kai Anne Schuhmacher als Assistentin und Spielleiterin in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. 2016 gab sie mit Brittens The Rape of Lucretia an der Oper Köln ihr Regiedebüt, wo sie in Folge auch Pierrot Lunaire in Szene setzte. In ihrer Inszenierung von Hoffmanns Erzählungen für Kinder an der Oper Köln bezog sie erstmals Elemente aus dem Figuren- und Maskentheater ein, baute selbst Figuren dafür und verfasste auch das Libretto selbst. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Schuhmacher Artist in Residence am Figurentheater Gera. Neben Produktionen im Sprech- und Musiktheater gehören Off-Stage-Kollagen und Projekte im öffentlichen Raum zu ihren Arbeiten. Ihr letztes Projekt war das interaktive Stationentheater Re:Play, das im Dezember 2017 mit dem Ensemble Netzzeit beim Festival Out of Control in Wien Premiere feierte.
Kai Anne Schuhmacher über den Meisterkurs: »Einen Meisterkurs wie den an der Komischen Oper Berlin macht man nur einmal im Leben. Die Förderung von jungen Sänger*innen ist in der Opernwelt selbstverständlich, während oft vergessen wird, dass diese auf der Bühne nur brillieren können, wenn sie eine*n kompetente*n Regisseur*in als Partner an ihrer Seite haben. Die Komische Oper Berlin hat den Mangel an tiefschürfender Ausbildung junger Musiktheaterregisseur*innen erkannt und mit dem Meisterkurs bei Barrie Kosky in einer hervorragenden Weise reagiert. Ich finde es sowohl zukunftsorientiert als auch im besten Sinne idealistisch, wenn eine Institution Geld in die Hand nimmt, um drei jungen Regisseur*innen eine Woche Intensivausbildung an einem der renommiertesten Opernhäuser Europas zu spendieren - in dem Glauben daran, dass gutes Regiehandwerk die Grundlage einer blühenden Musiktheaterlandschaft von morgen ist. Ichhatte nach dieser Woche das Gefühl, wieder daran erinnert worden zu sein, was eigentlich wichtig ist beim Inszenieren: Das genaue Studieren der Musik, das Vertrauen in die Sängerdarsteller*innen und deren individuelle Kompetenzen und nicht zuletzt die Klarheit der Worte. Man muss keine Angst vor großen Opern haben, sondern nur Respekt vor der Musik. Man muss genau hinhören, die Paritur erzählt dem*der Regisseur*in alles was sie*er wissen muss. Das war meine wichtigste Erkenntnis aus dem Kurs.«
Kontakt
Komische Oper Berlin
Dr. Rainer Simon
Referent des Intendanten
Behrenstraße 55-57
10117 Berlin
E-Mail meisterkurs@komische-oper-berlin.de